Tarife mit Altersrückstellungen galten lange als der Goldstandard in der Zahnzusatzversicherung, ältere Kollegen erinnern sich vermutlich noch. Es war im Jahr 2007, da trug es sich zu, dass ein kleiner Schweizer Krankenversicherer mit einer neuen Zahnzusatzversicherung den Deutschen Markt quasi über Nacht revolutionierte. Die CSS Versicherung (heute Advigon) war der erste Versicherer, der sich getraute in Deutschland Tarife ohne Altersrückstellungen anzubieten.
Anfangs noch verlacht („das geht vorbei“) passte sich der Markt über die Jahre an. Heute ist diese Kalkulationsvariante zum Standard geworden. Nur noch eine Handvoll Anbieter kalkuliert überhaupt noch nach diesem Prinzip, dazu zählen beispielsweise die Continentale, die Allianz oder die LKH. Wer als Makler einen solchen Tarif sucht, muss also wissen, wo.
Zeit also, sich die Frage zu stellen: Lohnen sich diese Tarife heutzutage überhaupt noch? Oder sind sie ein Relikt aus alten Zeiten? Die Antwort lautet wie so oft in unserer Branche: Es kommt darauf an. Worauf genau, erfahrt ihr hier.
Was sind Altersrückstellungen überhaupt?
Zunächst ein kurzer fachlicher Abriss, denn auch hier gilt: Wer beraten will, sollte verstehen. Der korrekte Begriff lautet eigentlich „Alterungsrückstellung“, umgangssprachlich hat sich aber (speziell bei Kunden) die „Altersrückstellung“ durchgesetzt.
Das Prinzip ist schnell erklärt: In den Beitrag wird von Anfang an ein Sparanteil einkalkuliert. Dieser fließt in einen kollektiven „Topf“, aus dem später die altersbedingt steigenden Zahnkosten mitfinanziert werden. Der Effekt: Der Beitrag ist von Beginn an konstant kalkuliert, es gibt keine geplanten Beitragssprünge mit zunehmendem Alter. Man spricht hier von Tarifen „nach Art der Lebensversicherung“.
Das Gegenmodell sind Tarife „nach Art der Schadenversicherung“, also ohne Altersrückstellungen. Hier wird der Beitrag in Altersklassen kalkuliert (z. B. 21–30 Jahre, 31–40 Jahre usw.) und er steigt mit Erreichen der nächsten Altersgruppe planmäßig an. Was im höheren Alter teuer werden kann, doch dafür ist der Einstiegsbeitrag, gerade für jüngere Kunden, deutlich niedriger.
Das Argument „Beitragsstabilität“ und seine Grenzen
Bevor wir zur Frage kommen, für wen sich diese Tarife lohnen, müssen wir mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen. Denn viele Kunden (und leider auch manche Kollegen) setzen „mit Altersrückstellung“ gleich mit „der Beitrag wird sich nie ändern“. Das ist falsch.
Die Altersrückstellung fängt ausschließlich die altersbedingten Mehrkosten auf. Steigen hingegen die Kosten im Gesundheitswesen insgesamt, etwa durch neue, teurere Behandlungsmethoden oder eine höhere Inanspruchnahme, darf der Versicherer auch bei diesen Tarifen die Beiträge anpassen. Allgemeine Beitragsanpassungen sind also in beiden Tarifwelten möglich!
Der Unterschied liegt woanders: Bei Tarifen mit Rückstellungen entfällt der planmäßige Beitragsanstieg durchs Älterwerden. Der Kunde weiß, dass sein Beitrag nicht allein deshalb steigt, weil er Geburtstag hat. Das ist für viele Menschen ein echtes Stück Planungssicherheit, gerade mit Blick auf die Rente, wenn das Einkommen sinkt und jeder Euro Fixkosten zählt.
Ein wichtiger Beratungshinweis noch: Kündigt der Kunde oder wechselt er den Anbieter, sind die gebildeten Rückstellungen weg. Es handelt sich nicht um ein persönliches Sparguthaben, sondern um eine kollektive Reserve. Wer einen solchen Tarif abschließt, sollte also vorhaben, ihn langfristig zu behalten.
Ein Beispiel aus der Praxis: der LKH ZU90+ (L)
Wie so ein Tarif heute aussehen kann, zeigt der ZU90+ (L) der LKH, einer der wenigen modernen Zahntarife, die noch mit Altersrückstellungen kalkuliert sind.
Der Tarif bietet 90 bis 100 Prozent für Zahnersatz, Inlays, Füllungen und Wurzelbehandlungen (gestaffelt nach Bonusheft), inklusive Implantaten samt Knochenaufbau und keramischen Verblendungen bis zum letzten Backenzahn. Auch Prophylaxe-Leistungen wie die professionelle Zahnreinigung sind mit 90 Prozent (bis 180 Euro jährlich) abgedeckt. Wartezeiten gibt es keine, lediglich die marktübliche Summenstaffel in den ersten Versicherungsjahren begrenzt die Leistungen anfänglich.
Du willst mehr Infos zum Produkt „LKH-ZahnUpgrade 90+“ der LKH?
Hier klicken Kundeninformation als PDFErfreulich auch: Auf ein festes Material- und Laborkostenverzeichnis verzichtet die LKH. Damit zeigt der Tarif exemplarisch, dass „mit Altersrückstellung“ keineswegs „altbacken“ bedeuten muss. Leistungsseitig spielt er auf dem Niveau moderner Top-Tarife, nur eben mit konstant kalkuliertem Beitrag.
Vergleich: Tarif „mit Altersrückstellung“ vs. „ohne“
Das Spannende am LKH ZahnUpgrade 90+: Es gibt ihn in beiden Kalkulationswelten, als ZU90+ ohne und als ZU90+ (L) mit Altersrückstellungen, bei identischen Leistungen. Ohne Rückstellungen zahlt ein Kunde von 21 bis 35 Jahren nur 13,50 Euro monatlich, danach geht es stufenweise nach oben: 21,00 Euro ab 36, 32,00 Euro ab 46 und 46,43 Euro ab 56 Jahren. In der Rückstellungsvariante steigt ein 30-Jähriger dagegen mit konstanten 29,06 Euro ein, mehr als das Doppelte, dafür ohne altersbedingte Sprünge.
Die Rechnung ist damit klar: Je jünger der Kunde, desto deutlicher gewinnt die Variante ohne Rückstellungen, ein 25-Jähriger spart über ein Jahrzehnt mehr als die Hälfte des Beitrags. Beim 40-Jährigen hingegen schrumpft der Abstand spürbar, während die nächsten Beitragssprünge bereits absehbar sind, hier wird die konstante Variante zur ernsthaften Alternative.
Clever gelöst hat die LKH den Übergang: Wer ohne Rückstellungen startet, wird mit Vollendung des 55. Lebensjahres automatisch in die (L)-Variante umgestellt. Günstiger Einstieg in jungen Jahren, stabiler Beitrag im Alter.
Für wen lohnen sich solche Tarife heute noch?
Kommen wir zur Kernfrage. Meine ehrliche Einschätzung aus der Praxis: Für die Mehrheit der Kunden, insbesondere für jüngere, sind Tarife ohne Altersrückstellungen die attraktivere Wahl. Der Einstiegsbeitrag ist schlicht deutlich niedriger, und kaum ein 25-Jähriger ist bereit, das Doppelte zu zahlen, nur damit sein Beitrag in 40 Jahren stabil ist. Wer weiß heute schon, ob er den Vertrag dann überhaupt noch hat?
Hinzu kommt: Je älter der Kunde beim Abschluss ist, desto mehr gleichen sich die Beiträge beider Tarifwelten ohnehin an. Ab etwa Mitte 50 spielt die Kalkulationsart kaum noch eine Rolle, die Frage „mit oder ohne Rückstellung“ verliert mit jedem Lebensjahr an Bedeutung.
Und dennoch gibt es den passenden Kundentyp. Ihr kennt ihn alle: den Sicherheitsorientierten. Den Kunden, der lieber heute etwas mehr zahlt, um später keine bösen Überraschungen zu erleben. Der bei der Frage „Was kostet das mit 70?“ eine verlässliche Antwort hören will. Für genau diesen Kunden, idealerweise mit der festen Absicht, den Vertrag dauerhaft bis ins Alter zu führen, kann ein Tarif mit Altersrückstellungen auch heute noch die richtige Empfehlung sein. Vorausgesetzt, er ist bereit, den höheren Einstiegsbeitrag zu tragen.
Fazit: Nischenprodukt mit Daseinsberechtigung
Lohnen sich Tarife mit Altersrückstellungen heutzutage also noch? Pauschal: eher nein. Individuell: durchaus. Sie sind vom Standard zum Nischenprodukt geworden, aber eben zu einer Nische mit klarer Zielgruppe.
Für uns Makler heißt das: Wir sollten diese Tarifgattung kennen und im Beratungsgespräch aktiv ansprechen können. Denn genau hier liegt unser Mehrwert gegenüber dem reinen Online-Vergleich, der fast ausschließlich Tarife ohne Rückstellungen ausspuckt.
Wer dem sicherheitsorientierten Kunden erklären kann, warum es überhaupt zwei Kalkulationswelten gibt, welche Vor- und Nachteile beide haben und welche zu ihm passt, beweist echte Beratungskompetenz. Und die zahlt, wie immer, auf die langfristige Kundenbeziehung ein.
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