Selbst als absoluter Beginner weißt du:
„Jede Nacht, jeden Tag auf der Jagd,
denn das Rudel tollt, wenn der Rubel rollt.“
Ja, hallo! Ich wollt mal sagen: Füchse sind gar keine Rudeltiere – aber Versicherungsmakler gelten ohnehin gern als „Lonely Wolves“. Frei, unabhängig, allein im Büro, allein mit der Haftung und maximal begleitet von einer mittelmotivierten Espressomaschine. Zumindest erzählt man das gerne über uns. Vor allem dort, wo man Teams predigt, Hierarchien verkauft und Freiheit in Incentives umrechnet.
Die Realität beginnt meist ganz banal im Kalender. Wenn dort plötzlich wieder MMMünchen steht. Oder Dortmund. Und natürlich Erfurt(h), wo man nicht einfach ankommt, sondern zuverlässig wieder „vifid“ wird. Oder der Bär auf der Network Convention so lange steppt, bis er ganz blau ist. Und dann passiert etwas Merkwürdiges: Der angebliche Einzelkämpfer steht mitten im Rudel. In Workshops werden Prozesse geteilt, die einen eigentlich selbst schneller, besser und gefährlicher machen – auch für den anderen. Abends sitzt man zusammen, trinkt, diskutiert, lacht und streitet darüber, ob Produkt A wirklich besser ist als Produkt B oder ob am Ende doch wieder die Umsetzung alles frisst. Konkurrenz? Ja. Feindseligkeit? Eher selten.
Genau hier liegt eine Paradoxie, die in der Branche erstaunlich oft übersehen wird. Makler arbeiten freiwillig zusammen. Ohne Konzernziel, ohne Pflichtveranstaltung, ohne Bonuskeule. Wir verbessern damit im Zweifel sogar unsere direkten Wettbewerber – und tun es trotzdem. Wer das für ökonomisch unlogisch hält, hat vermutlich noch nie verstanden, wie Vertrauen, Reputation und Marktqualität tatsächlich entstehen.
Drehen wir das Bild um, wird es fast schon ironisch.
In Strukturvertrieben, Ausschließlichkeiten und gelegentlich sogar bei den Bauspar-Füchsen wird Teamarbeit zelebriert – und ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss. Jahresauftakte im Januar, große Zahlen, große Worte, große Versprechen für 2026. Man schwört sich gemeinsam ein, klatscht Wachstumsstorys an die Wand und erklärt, dass selbst schwierige Zeiten eigentlich fantastische Zeiten sind – zumindest, wenn es die Konzernzahlen sind, die gerade präsentiert werden. Gleichzeitig habe ich selbst, als ich noch „im AO-Bau war“ oft interne Reibereien, verdeckten Wettbewerb und das berühmte gegenseitige Wasserabgraben erlebt. Befohlene Teamarbeit, ja – aber bitte mit Incentive.
Der Unterschied ist simpel. Der Strukturvertriebler bekommt seine Reisen, Events und Fortbildungen scheinbar geschenkt. Der Makler zahlt sie selbst. Dass diese Geschenke vorher aus der eigenen Provision herausgefüttert wurden, fühlt sich nur anders an. Freiheit wirkt weniger glamourös, wenn man sie selbst finanziert – dafür ist sie ehrlich.
Besonders unterhaltsam ist dabei das alte Märchen vom einsamen Makler. Wer das ernsthaft glaubt, war offenbar noch nie Teil eines 34er-Austauschs, eines Jungmakler-Treffens oder eines dieser losen Verbünde, die sich nicht groß benennen müssen, um zu funktionieren. Wir treffen uns auf Messen, in Bürogemeinschaften, im Coworking, virtuell oder ganz klassisch auf einen Kaffee. Und ja – wir fahren freiwillig dahin.
Vielleicht liegt der Denkfehler darin, Einzelkämpfer und Rudel als Gegensätze zu begreifen. Das Einzelkämpfer-Rudel ist womöglich die ehrlichste Organisationsform dieser Branche. Keine Hierarchie, kein Konzernbonus, kein Zwang. Nur Menschen, die verstanden haben, dass ein besserer Markt allen nützt – auch wenn man sich um Kunden streitet.
Mit großer Freiheit kommt große Verantwortung, wusste schon Spider-Mans Onkel Ben. Als Makler muss ich mir mein Umfeld selbst bauen: Struktur, Austausch, Weiterbildung, Arbeitsplatz. Ich kann allein arbeiten oder mit Konkurrenten, im Coworking oder im virtuellen Raum. Alles ist möglich, nichts vorgeschrieben. Genau das unterscheidet uns vom „Unternehmer im Unternehmen“, dieser sprachlichen Mogelpackung, die Freiheit verspricht und Kontrolle liefert.
Egal ob Fuchs, Wolf oder Bär:
Der Makler ist eher eine Art frei bewegliches Rudeltier.
Und vielleicht jault dieses Rudel genau deshalb manchmal so laut –
nicht aus Einsamkeit, sondern weil Freiheit nun einmal kein Superhelden-Sicherheitsnetz braucht.
„Der Magen knurrt wie Sau,
ich hau’ ab aus meinem Bau.“
Aaaaaaaaawwwwwuuuuuuhhhhhhh!
An dieser Stelle noch ein Musiktipp:
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Weitere InformationenIm vierten Teil von Le Bonmot ging es übrigens um ein Urteil, das wie Scheuermilch klingt.
Titelbild: © Alexey Testov
Es war mir eine Ehre