Ein kleiner Betrieb, spezialisiert auf Büroservices. Die Inhaberin? Psychisch erkrankt. Von einem Tag auf den anderen nicht mehr arbeitsfähig. Das Unternehmen? Innerhalb weniger Wochen dicht. Andere Firmen, die von ihren Dienstleistungen abhängig waren, standen plötzlich ohne da. Die Frau selbst? Landete im Bürgergeld. Keine Absicherung, keine Liquidität, kein Plan B. Ihr Satz im Nachhinein: „Hätte ich mal auf euch gehört.“
Solche Geschichten höre ich zu oft. Und jedes Mal denke ich: Das ist kein Schicksal, das ist fehlende Planung. Denn Liquiditätssicherung ist für Unternehmen nicht weniger wichtig als für Privatpersonen, im Gegenteil. Wenn in einem Unternehmen die Schlüsselperson ausfällt, steht nicht nur eine Familie vor dem Ruin, sondern auch Mitarbeiter, Geschäftspartner, manchmal ganze Lieferketten. Und trotzdem behandeln viele Unternehmer das Thema stiefmütterlich. „Was soll mir denn schon passieren?“ Genau diese Haltung kostet Existenzen.
Wenn der Kopf ausfällt, fällt alles
Der Chef eines kleinen oder mittleren Unternehmens ist häufig nicht nur der Kopf, sondern auch der Hauptumsatzträger. Er bringt die Aufträge rein, er trifft die Entscheidungen, er hat das Know-how und häufig „alles in seinem Kopf“. Wenn er ausfällt, durch Krankheit, Unfall oder Tod, läuft in der Regel erstmal gar nichts mehr. Und selbst wenn: Jemanden zu finden, der diese Rolle übernimmt, kostet Zeit und Geld. Viel Geld.
Ich hatte vor kurzem den Fall einer Schlosserei. Der Chef hat alles gemacht: Akquise, Planung, Kundengespräche. In der Werkstatt saßen nur Leute, die Aufträge abgearbeitet haben. Dann wurde der Chef krank. Plötzlich kamen keine Aufträge mehr rein, niemand hatte Ideen, niemand hat sich um Neugeschäft gekümmert. Die Schlosserei hat relativ schnell dichtgemacht. Der Umsatz war weg, die Liquidität auch.
Das ist ein doppeltes Liquiditätsrisiko: Einerseits fällt das Einkommen weg, das der Chef generiert hat. Andererseits muss ich sofort viel Geld in die Hand nehmen, um eine Ersatzperson zu finden und zwar schnell, was den Preis hochtreibt. Wenn dann keine Liquiditätsreserven da sind, keine Keyman-Versicherung und kein Notfallplan bestehen, dann wars das. Und zwar nicht nur für den Chef, sondern für alle Mitarbeiter, die plötzlich ohne Job dastehen.
Selbstständige: die verkannte Risikogruppe
Kommen wir zu den Selbstständigen. Die haben nochmal eine ganz eigene Problematik: Sie neigen dazu, mit dem Kopf unter dem Arm zur Arbeit zu gehen. Schnupfen? Egal, muss ja weitergehen. Rückenschmerzen? Wird schon. Das Problem: Wer sich nicht auskuriert, riskiert Folgeerkrankungen. Und wer keine vernünftige Krankentagegeldabsicherung hat, kann es sich schlicht nicht leisten, zuhause zu bleiben.
Deshalb sage ich jedem Selbstständigen: Eine ordentliche Krankentagegeldversicherung ist kein Luxus, sondern Überlebensschutz. Nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich. Denn wenn du dir leisten kannst, zuhause zu bleiben, kurierst du dich aus. Wenn nicht, schleppst du dich zur Arbeit – und machst es schlimmer. Das Gleiche gilt für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Wobei bei klassischen Selbstständigen manchmal eine Erwerbsminderungsrente die bessere Wahl sein kann. Aber die Arbeitskraft muss abgesichert sein.
Und dann ist da noch die soziale Verantwortung: Als Unternehmer trage ich nicht nur Verantwortung für mich selbst, sondern auch für meine Mitarbeiter.
Wenn ich ausfalle und das Unternehmen keine Liquidität hat, können die Mitarbeiter nicht mehr bezahlt werden. Rechtlich betrachtet müsste ich das Unternehmen schließen, kann ich aber häufig nicht, weil ich keine Vollmacht dafür habe, die diesen Bereich umfasst. Ein absolutes Desaster. Genau deshalb ist eine Unternehmervollmacht für jeden Einzelunternehmer unverzichtbar.
Die Unternehmervollmacht: das unterschätzte Instrument
Gerade bei Einzelunternehmen ist die Unternehmervollmacht das wichtigste Liquiditätsinstrument überhaupt. Warum? Weil ohne sie im Notfall gar nichts mehr geht. Ich kann niemanden einstellen, niemanden entlassen, keine Gehälter zahlen, keine Verträge abschließen. Das Unternehmen steht still und die Liquidität schmilzt dahin, während niemand handeln kann.
Bei Kapitalgesellschaften sieht es anders aus. Da kann ich über eine Prokura jemanden einsetzen, der für den Übergang einiges entscheiden kann. Aber beim Einzelunternehmen? Fehlanzeige. Deshalb: Jeder Einzelunternehmer braucht eine Unternehmervollmacht. Punkt.
Und dann braucht es eine Notfallplanung, die klärt:
- Was passiert, wenn ich ausfalle?
- Wer übernimmt?
- Wie wird die Liquidität gesichert?
Und hier kommen wir als Maklerinnen und Makler ins Spiel. Denn wir können mit Unternehmern genau diese Themen besprechen: Was kostet es dich, wenn deine Schlüsselperson ausfällt? Was für Umsatzeinbußen hast du zu erwarten? Was kostet die Neubesetzung, die Einarbeitung?
Die meisten Unternehmer machen sich darüber gar keine Gedanken. Und ich glaube, wenn ich über diesen Weg gehe, nicht mit „Sollen wir eine Keyman-Versicherung abschließen?“, sondern mit „Was für ein Problem hast du?“, dann erkenne ich erst das wahre Ausmaß. Und dann kann ich sagen: „Du hast mir gerade gesagt, das kostet dich 150.000 Euro. Sollen wir mal über eine Lösung sprechen?“
Vom Sachversicherer zum strategischen Unternehmensberater
Hier liegt eine riesige Chance für uns Maklerinnen und Makler. Besonders für die, die im Sachgeschäft unterwegs sind. Denn wir haben schon einen Fuß in der Tür. Wir versichern bereits erhebliche Werte: Betriebsgebäude, Maschinen, Waren. Der Unternehmer vertraut uns sein Hab und Gut an. Und wenn ich dieses Vertrauen schon habe, dann ist der Schritt in die strategische Unternehmensberatung eigentlich ganz klein.
Ich kann sagen: „Du hast mir dein Gebäude anvertraut, deine Maschinen, deine Warenlager. Aber das größte Risiko bist du selbst. Deine Arbeitskraft. Dein Know-how. Was passiert, wenn dir etwas zustößt?“ Und schon bin ich drin. Ich kann über Unternehmervollmachten sprechen, über Patientenverfügungen, über Testamente. Ich kann über Nachfolgeplanung sprechen, ein Thema, das gerade bei jüngeren Unternehmern viel zu oft ignoriert wird.
Liquiditätslösungen für kleinere Betriebe
Bei kleineren Betrieben, insbesondere Einzelunternehmen, ist die Unternehmervollmacht die wichtigste Liquiditätslösung. Ohne sie ist das Unternehmen im Notfall handlungsunfähig. Danach kommt die Absicherung des Unternehmers selbst: Krankentagegeld, Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderungsrente, eventuell eine Keyman-Versicherung, wenn Personal von dieser Person abhängig ist.
Der größte organisatorische Fehler? Fehlende Vorsorgedokumente und Notfallpläne. Und generell: dass Unternehmer zu sehr in ihrer Branche unterwegs sind und sich nicht öffnen für begleitende Themen. Sie sind gut in dem, was sie tun, aber sie delegieren nicht genug. Und genau hier müssen wir als Maklerinnen und Makler ansetzen: „Du bist gut in dem, was du kannst. Wir sind gut in dem, was wir tun. Vertrau uns und gib diesen Teil ab. Wir kümmern uns darum, dass du abgesichert bist.“
Das ist der Schlüssel. Und wenn ich dieses Vertrauen habe, dann kann ich sagen: Alles, was Liquidität und Finanzen betrifft, lagern wir ein Stück weit aus. Wir kriegen einen Ansprechpartner in deinem Unternehmen, mit dem wir das abstimmen. Und dann spielen wir uns die Bälle zu. So wird aus dem Sachversicherer ein strategischer Partner und aus einer Transaktion eine langfristige Beziehung.
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Titelbild: © Matthias Kaulen