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Weltweit abgesichert

Wenn Deutschland nicht mehr Lebensmittelpunkt ist: Was Maklerinnen und Makler über internationale Absicherung wissen müssen

  • Beratung, Magazin, Spezialisierung
  • Kimberly Elsholz
Kimberly Elsholz am Laptop und Smartphone – Autorin zu internationaler PKV-Absicherung

Inhaltsverzeichnis für diesen Beitrag

2024 verließen rund 270.000 Deutsche ihr Heimatland, Tendenz steigend. 49 Prozent der Deutschen haben laut Umfragen schon einmal überlegt auszuwandern. Besonders unter Hochqualifizierten ist die Quote hoch: 40 Prozent arbeiten im Ausland in Berufen mit hohem Qualifikationsniveau.

Remote Work und digitales Nomadentum machen es möglich, ortsunabhängig zu arbeiten und zu leben. Für selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer ist die Welt längst zum Arbeitsplatz geworden: Dubai, Thailand, Bali, oder einfach dort, wo gerade die beste Lebensqualität lockt.

Doch mit der Flexibilität kommt die Frage: Wie bin ich abgesichert? Die GKV bietet zwar formal Schutz im EU-Raum über die Europäische Krankenversicherungskarte, doch die Realität ernüchtert. Selbst in Österreich oder der Schweiz, wo die Behandlungskosten deutlich über deutschem Niveau liegen, deckt die GKV nur die in Deutschland üblichen Sätze ab. Die Differenz zahlt der Patient aus eigener Tasche.

Und außerhalb Europas? Dort endet der GKV-Schutz ohnehin fast komplett. Für Selbstständige, die international arbeiten oder längere Zeit im Ausland leben, ist die GKV keine tragfähige Lösung. Weder in Europa noch außerhalb. Hier beginnt das Terrain der PKV. Und hier müssen Maklerinnen und Makler wissen, worauf es ankommt.

Zwei Welten: Vielreisende vs. Auswanderer

Wenn es um internationalen Versicherungsschutz geht, ist die erste entscheidende Frage: Bleibt Deutschland Lebensmittelpunkt oder nicht? Denn hier unterscheiden sich die Anforderungen fundamental. Und damit auch die Lösungen am Markt.

Szenario 1: Vielreisende und digitale Nomaden
Wer mehrere Monate im Jahr im Ausland verbringt, aber Deutschland als Wohnsitz behält, ist mit modernen PKV-Tarifen gut aufgestellt. Die Betonung liegt auf „Deutschland als Wohnsitz“, denn genau hier liegt der Knackpunkt für den Versicherungsschutz.

Szenario 2: Dauerhafte Auswanderer
Wer Deutschland tatsächlich dauerhaft verlässt – sei es nach Dubai, in die Schweiz oder nach Thailand – steht vor einer anderen Realität. Und hier wird es ehrlich gesagt kompliziert. Nicht weil die Produkte schlecht wären, sondern weil sich die regulatorischen Rahmenbedingungen fundamental unterscheiden.

Was moderne PKV-Tarife für Vielreisende leisten

Für digitale Nomaden und Vielreisende, die Deutschland als Wohnsitz behalten, bietet die PKV heute umfassenden Schutz. Moderne Tarife haben sich in diesem Bereich erheblich weiterentwickelt und decken weltweite Behandlungen flexibel ab. Wichtig ist die Unterscheidung nach geografischen Räumen:

1. Weltweiter Versicherungsschutz im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)
Meist unbegrenzt, wenn Deutschland Wohnsitz bleibt. Zum EWR gehören alle EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen. Hier können Versicherte sich niederlassen und arbeiten, ohne dass der Versicherungsschutz zeitlich begrenzt ist.

2. Weltweiter Versicherungsschutz außerhalb des EWR
Hier zeigen sich die größten Unterschiede zwischen den Anbietern:

  • Standard-Tarife: oft drei bis sechs Monate Auslandsschutz pro Jahr
  • Erweiterte Tarife: Wenige PKV-Anbieter bieten bereits heute Verlängerungen auf bis zu zehn Jahre an: eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Regelungen.
  • Premium-Lösungen: Einzelne Anbieter ermöglichen noch längerfristige oder sogar unbegrenzte Aufenthalte.

Wenige PKV-Anbieter, die mit bis zu 10 Jahren weltweitem Versicherungsschutz außerhalb des EWR positioniert sind, zeigen, dass die Branche die Bedürfnisse dieser wachsenden Zielgruppe ernst nimmt. Das ist deutlich mehr als der Marktstandard und ein wichtiges Signal für international mobile Selbstständige.

Die Herausforderung bei dauerhafter Auswanderung

Wer Deutschland jedoch tatsächlich für immer verlassen möchte, stößt auf eine Marktlücke. Das betrifft nicht nur einzelne Anbieter, sondern ist eine branchenweite Herausforderung. Die Fakten:

  • Regulatorische Grenzen: Deutsche PKV-Tarife sind primär für Versicherte mit deutschem Wohnsitz konzipiert.
  • Begrenzte Produktauswahl: Nur ein bis zwei Anbieter am gesamten deutschen Markt bieten Lösungen für dauerhafte Auswanderer an.
  • Hohe Einstiegshürden: Diese Spezialtarife sind oft im Premium-Segment angesiedelt, mit entsprechenden Beiträgen und strengeren Gesundheitsprüfungen.

Das bedeutet konkret:

  • Wer aufgrund von Vorerkrankungen nicht in diese Spezialtarife aufgenommen wird, braucht alternative Lösungen.
  • Wer sich die Premium-Beiträge nicht leisten kann oder will, muss andere Wege gehen.
  • Internationale Krankenversicherungen füllen diese Lücke, sind aber keine deutschen PKV-Tarife.

Die Lösung: Ehrliche Beratung und klare Differenzierung

Für Maklerinnen und Makler bedeutet das: Proaktiv nachfragen und differenzieren.

Die drei entscheidenden Fragen im Beratungsgespräch:

  1. Wie oft sind Sie im Ausland und wie lange am Stück?
  2. Bleibt Deutschland Ihr Wohnsitz oder planen Sie einen dauerhaften Umzug?
  3. Ist eine Rückkehr nach Deutschland mittelfristig denkbar?

Beratungsempfehlung nach Szenario

Für Vielreisende (Deutschland bleibt Wohnsitz):

  • Moderne PKV-Tarife mit erweitertem Auslandsschutz sind die erste Wahl
  • Wenige Anbieter mit bis zu 10 Jahren Auslandsschutz bieten überdurchschnittliche Flexibilität
  • Wichtig: Auf Gebührenordnungen achten (siehe unten)

Für temporäre Auswanderer (Rückkehr geplant):

  • PKV-Tarif in Anwartschaft umwandeln, nicht kündigen
  • Ermöglicht problemlose Rückkehr ohne erneute Gesundheitsprüfung
  • Kombinierbar mit internationaler Krankenversicherung für die Zeit im Ausland

Für dauerhafte Auswanderer:

  • Prüfen, ob Gesundheitszustand und Budget einen PKV-Spezialtarif ermöglichen
  • Wenn nicht: Internationale Krankenversicherung als professionelle Alternative
  • Ehrlich kommunizieren: Das ist keine „schlechtere“ Lösung, sondern oft die passendere

Worauf Maklerinnen und Makler konkret achten sollten

Gebührenordnungen: ein verstecktes Risiko

Nicht alle Tarife zahlen weltweit nach tatsächlichen Kosten. Kritisch wird es, wenn ein Tarif nur „bis zu deutschen Gebührenordnungen" leistet:

  • Problem: In der Schweiz, Österreich oder den USA liegen die Behandlungskosten oft deutlich über deutschen Sätzen
  • Folge: Der Versicherte zahlt die Differenz aus eigener Tasche – trotz Vollversicherung
  • Lösung: Tarife wählen, die unabhängig von deutschen Gebührenordnungen weltweit leisten

USA-Absicherung: der Sonderfall

Die USA müssen immer separat betrachtet werden:

  • Premium-Tarife: USA-Schutz oft ohne Aufpreis enthalten
  • Standard-Tarife: Häufig doppelter Beitrag oder Ausschluss von USA-Behandlungen
  • Wichtig: Explizit erfragen und dokumentieren

Anwartschaftsversicherung: das Rückkehrticket

Für alle, die temporär ins Ausland gehen: PKV-Tarif nicht kündigen, sondern in Anwartschaft umwandeln.

  • Große Anwartschaft: Erhält Altersrückstellungen, etwa 35-50 Euro monatlich
  • Kleine Anwartschaft: Ohne Altersrückstellungen, etwa 10-15 Euro monatlich
  • Vorteil: bei Rückkehr keine erneute Gesundheitsprüfung, nahtlose Fortsetzung des Versicherungsschutzes
  • Entscheidend: Wer fünf bis 10 Jahre Jahre im Ausland war, kommt gesundheitlich möglicherweise nicht mehr in die PKV, die Anwartschaft sichert den Zugang.

Der Appell an die Branche

Die Zahlen sprechen für sich: 270.000 Deutsche wandern jährlich aus, viele davon sind gut qualifizierte Selbstständige und Unternehmer. Diese Zielgruppe ist wirtschaftlich attraktiv, gesundheitsbewusst und bereit, für guten Versicherungsschutz zu zahlen.

Die Chance für Versicherer: Wer heute Produkte entwickelt, die echte internationale Flexibilität über 10+ Jahre oder sogar dauerhaft ermöglichen, ohne dass dafür der teuerste Premium-Tarif nötig ist, positioniert sich als Vorreiter in einem wachsenden Markt. Einzelne Anbieter gehen mit 10 Jahren weltweitem Schutz bereits in die richtige Richtung. Aber die Nachfrage wächst schneller als das Angebot.

Die Realität für Maklerinnen und Makler: Bis diese Marktlücke geschlossen ist, braucht es ehrliche Beratung und den Mut, auch Alternativen aufzuzeigen. Internationale Krankenversicherungen sind keine "Notlösung", sondern oft die pragmatischere und kostengünstigere Wahl für echte Auswanderer. Maklerinnen und Makler, die beide Welten kennen – deutsche PKV und internationale Lösungen – werden zur unverzichtbaren Schnittstelle für diese mobile Zielgruppe.

Handlungsempfehlung: Proaktiv beraten, realistisch einschätzen

Die deutsche PKV ist stark, wenn Deutschland Lebensmittelpunkt bleibt. Sie wird zunehmend flexibler für Vielreisende und digitale Nomaden. Einzelne Anbieter zeigen, dass zehn Jahre weltweiter Schutz heute machbar sind. Aber sie stößt noch an Grenzen, wenn jemand dauerhaft auswandert. Das ist kein Fehler des Systems, sondern eine regulatorische Realität und eine Chance für Produktinnovationen.

Für Maklerinnen und Makler heißt das: Frühzeitig das Gespräch über Auslandspläne suchen und dabei zwischen Vielreisenden und dauerhaften Auswanderern differenzieren. Wichtig dabei ist: Ehrlich beraten. Die deutsche PKV löst nicht jedes Problem und das ist okay. Wichtig ist, dass Maklerinnen und Makler die Alternativen kennen und professionell einordnen können.

Für Versicherer heißt das: Die Welt wird mobiler, und eine wachsende Zielgruppe sucht nach Lösungen, die internationales Leben und deutsche Qualität verbinden. Wer hier heute vorangeht, sichert sich morgen einen Wettbewerbsvorteil.

Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe: Reha und Rückkehr in den Alltag

© Titelbild: Kimberly Elsholz

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Autor
Portrait von Kimberly Elsholz digitale Finanzberaterin für Selbstständige und Nomaden

Kimberly Elsholz

Kimberly Elsholz ist Gründerin der Finance Masters GmbH. Mit Entschlossenheit und Weitblick berät sie ihre Kundinnen und Kunden in allen Finanz- und Versicherungsfragen – unabhängig, klar und mit echtem Engagement.
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