Ein Blick auf Social Media und könnte man meinen, der Steuerhebel sei die wichtigste Variable in der ganzen Rentengleichung. Kaum ein Reel oder ein Post zum Thema Altersvorsorge ist dort zu finden, in dem nicht irgendwo Steuern sparen als Argument auftaucht. Aber ist das wirklich so? Oder ist es einfach das perfekte Triggerwort, um mehr Kundinnen und Kunden zu gewinnen?
Rendite, Flexibilität und Sicherheit: Diese drei bilden das gute alte magische Dreieck der Geldanlage. Sie verdienen in meinen Augen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wie die Steuerersparnis, wenn nicht sogar noch deutlich mehr. Sie sind das Fundament. Steuern sparen, Förderungen nutzen oder sich zusätzlich vor Risiken wie Tod und Berufsunfähigkeit absichern sind schöne Zusatzbausteine. Aber sie bleiben eben Zusatzbausteine.
Eigene Werte und Bedürfnisse abgleichen
Weit bevor man über mögliche Steuererstattungen nachdenkt, sollte eine ganz andere Frage gestellt werden: Was ist mir eigentlich wichtig? Welche Ziele, Bedürfnisse und Werte habe ich?
Und auch: Welche Priorität haben Rendite, Sicherheit und Flexibilität für mich persönlich? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich der Blick auf konkrete Produkte. Hier lautet das Stichwort: Schichtenvergleich. Wer die eigenen Werte wie eine Schablone über die verschiedenen Formen der Altersvorsorge legt, für den fallen oft schon einige Varianten von ganz allein weg.
Steuerlich geförderte Verträge gehen in der Einzahlungsphase meist mit einer deutlichen Einschränkung der Flexibilität einher. Das betrifft insbesondere Riester, Basis- oder Rürup-Rente, betriebliche Altersvorsorge (bAV) oder das geförderte Altersvorsorgedepot.
Diese Optionen sind möglich und diese gehen gar nicht
Bei all diesen Formen ist eine Entnahme vor Rentenbeginn grundsätzlich nicht möglich. Eine Einmalauszahlung des gesamten Kapitals zu Rentenbeginn ist ausschließlich bei der bAV vorgesehen. Allerdings ist das aufgrund von Steuer-, Kranken- oder Pflegeversicherungsabzügen keine empfehlenswerte Option.
Die Leistung muss zudem in den meisten Fällen auch zu 100 Prozent mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden. Außerdem fallen Vorteile wie die hälftige Ertragsbesteuerung, wenn man mind. 62 Jahre alt und der Vertrag schon über 12 Jahre gelaufen ist, oder die Teilfreistellung weg.
Hinzu kommen häufig erhöhte Kosten, denn die Verwaltung geförderter Produkte ist in der Regel aufwendiger. Eine mögliche Ausnahme könnte künftig das geförderte Altersvorsorgedepot darstellen. Bei den übrigen Formen können zumindest Netto- oder rabattierte Tarife durchaus Sinn ergeben.
KI kann bei der Recherche für die passende Form unterstützen
Und natürlich kann der Steuerhebel sinnvoll sein, beispielsweise als zusätzlicher Renditeschub. Er ist aber kein No-Brainer für jeden Menschen.
Ich empfehle, erst einmal tiefer dazu zu recherchieren und sich dann zu entscheiden.
Sonst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man in ein paar Monaten oder Jahren feststellt: Ich habe in die falsche, für mich selbst unpassende Form investiert. Den Weg zu irgendwelchen Instagram-Anwaltskanzleien, die einem die Rückabwicklung der Rürup-Rente versprechen, kann man sich somit sparen.
Dank KI wird es zunehmend einfacher, sich diese Informationen selbst zu besorgen, denn man muss nicht mehr blind der Meinung einzelner Vermittlerinnen und Vermittler vertrauen. Im Anschluss kann man dann auch gerne in die Beratung mit einem unabhängigen, ungebundenen Finanzmenschen gehen.
Kurzanleitung für den Vorsorgeplan: Neun Schritte
- Unnötige Schulden begleichen
- Haushaltsplan erstellen (Ausgaben, Einnahmen, freies Kapital)
- Unnötige Ausgaben reduzieren (z. B. Abos)
- Höhe einer monatlichen Sparrate und eines möglichen Startkapitals festlegen
- Bedürfnisse, Ziele und Werte definieren (Rentenlücke berechnen, inklusive Inflation)
- Passendes Instrument finden (ETF-Sparplan, ETF-Rente, gAVD, bAV, Rürup …)
- Aufteilung festlegen (Investmentanteil & ETF-Auswahl)
- Endlich loslegen
- Regelmäßiger Kontrollmechanismus einrichten (einmal im Jahr reicht meist)
Und jetzt: Let's go!
Titelbild: © Remie Gerstenberger