Wir lieben sie ja, unsere Berufsunfähigkeitsversicherung. Heilige Kuh der Einkommensabsicherung. Und versteht mich nicht falsch: Sie ist wichtig. Existenziell sogar.
Aber sie ist eben kein Allheilmittel, sondern ein sehr spezifisches Instrument mit klarer Definition. Und Definitionen zahlen, Gefühle nicht.
Statistisch wird nur jeder Fünfte oder Vierte berufsunfähig. Das rechnet sich prächtig. Für den Versicherer. Für den Kunden rechnet es sich nur dann, wenn der Leistungsfall exakt ins Bedingungswerk passt. Alles andere? Pech im Kleingedruckten.
Ich habe mir das Kreuzband gerissen. Krücken. Reha. Schmerzen. Berufsunfähig? Nein. Ich sitze am Rechner. Zoom kennt keine Orthopädie. Mein linkes Knie interessiert die Tätigkeitsbeschreibung herzlich wenig.
Gezahlt hätte dagegen eine Grundfähigkeitsversicherung. Weil sie Fähigkeiten versichert, nicht Berufsbezeichnungen.
Und hier kommt der unangenehme Teil für uns Makler:
Müssen wir uns an die eigene Nase fassen? Unbedingt. Vielleicht sollten manche Vermittler ihre Nase gleich mitversichern. Denn ist es nicht eine Grundfähigkeit, einen guten Riecher für die wirklichen Risiken des Kunden zu haben?
Wir verkaufen Symptome: Einkommensverlust. Aber Ursachen? Fähigkeitenverlust. Krankheit. Schicksal. Dafür gibt es Bausteine wie die Dread-Disease-Versicherung.
Jeder Tag ist ein Lottoschein. Die Ziehung läuft täglich. Wer Pech hat, gewinnt in der umgekehrten Lebenslotterie. Nur: Den Schein muss man vorher ausfüllen. Und der heißt Antrag.
Vielleicht ist es Zeit, die BU nicht zu vergöttern, sondern zu ergänzen. Nicht Monokultur, sondern System. Denn wer nur ein Produkt verkauft, spielt Lotto. Wer kombiniert, kalkuliert – und gewinnt selbst, wenn er verliert.
Im fünften Teil von Le Bonmot ging es übrigens um das berühmt-berüchtigte Einzelkämpfer-Rudel.
Titelbild: © Rafael Classen