Oh je, Oberlandesgericht Dresden. Wir, die ungebundene Maklerschaft, sind , so steht es im Urteil, nicht unabhängig. Warum? Weil das OLG sagt: Unabhängig ist nur, wer keine Provision nimmt.
Und irgendwo in der Republik grinst ein Honorarberater leise hinter seinem Kaffee.
Doch selbst er ist nicht wirklich unabhängig. Er ist nämlich abhängig von der Zahlungsbereitschaft seines Kunden. Aber das ist natürlich die „gute“ Abhängigkeit, sagen die Reinheitsapostel.
Es ist wie immer in Deutschland: Wortglauberei als Leistungssport.
Wenn Hafermilch jetzt „Haferdrink“ heißen muss, weil der Verbraucher angeblich Kuh und Korn nicht auseinanderhalten kann, dann geht es längst nicht mehr um Klarheit, sondern drum, semantisch das Image zu polieren.
Wahrscheinlich hat man dafür Scheuermilch genommen, die – Ironie des Schicksals – immer noch Milch heißen darf. Putzmittel: ja. Pflanzenprodukt: nein.
Und überhaupt: Ist eine Kuh eigentlich unabhängig? Oder ernährungsbedingt pflanzengebunden?
Und nun dasselbe Spiel mit Maklern:
Wir sind laut Gewerbeordnung ungebunden – § 34d GewO ist da eindeutig.
Aber das unabhängige Gericht – dessen Gehälter übrigens aus Steuergeldern kommen, die wiederum aus Provisionen, Einkommen und Umsätzen bezahlt werden, also von Leuten wie uns – befindet, wir seien nicht unabhängig genug.
Vielleicht hat man in Dresden den Unterschied zwischen Ungebundenheit (gesetzlich definiert) und Unabhängigkeit (gefühlsbeladene Fantasiegröße) einfach nicht sauber auseinandergehalten.
Vielleicht hat aber auch jemand am falschen Ende der Kuhmilch genippt. Oder – realistischere Variante – im Sitzungssaal stand der Lack ein bisschen zu nah an der Kaffeesahne (vgl. „Kondensdrink“).
Sind das die Themen, die unser Land beschäftigen? Ist in Sachsen nicht irgendwo ein Mofa mit aufgeschraubtem Auspuff unterwegs, dessen Halter dringend der Rechtsstaatlichkeit zugeführt werden müsste?
Aber gut. Wenn wir Makler schon nicht unabhängig sein dürfen, dann bleiben wir eben, was wir wirklich sind: ungebunden, unbeirrbar und unverschämt klar im Kopf.
In diesem Sinne: Ich wünsche euch einen herrlich unabhängigen Tag. Völlig ungebunden. Völlig frei. Und hoffentlich ohne Scheuermilch im Kaffee.
Prost, Mahlzeit, Feierabend.
Zu Le Bonmot #3: Frühstarterrente für alle
Titelbild: © Lisa Brunner