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Seit 14 Jahren begleite ich Familien und sehe immer wieder dieselben Fehler.

Eine Vollmacht schafft Handlungsspielraum, aber noch keinen Notfallplan. Steffen Moser zeigt, warum Familien mehr brauchen und wo Maklerinnen und Makler den entscheidenden Impuls geben können.
  • 2. Oktober 2026
  • Steffen Moser
Steffen Moser begleitet Familien seit vielen Jahren bei Fragen rund um Vorsorge, Handlungsfähigkeit und Notfallplanung.

Inhaltsverzeichnis für diesen Beitrag

Ich schreibe gerade ein Buch. Einen Ratgeber über Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen, Notfallplanung und darüber, was in einer Familie passiert, wenn plötzlich ein Mensch ausfällt. Aber eigentlich schreibe ich dieses Buch aus einem anderen Grund: Ich möchte, dass es endlich aufhört, dass Familien immer wieder die gleichen Fehler machen.

Seit 14 Jahren begleite ich jedes Jahr etwa 30 bis 40 Familien. Ich sitze mit Eltern am Küchentisch, spreche mit Paaren in Online-Terminen, halte Vorträge und erlebe Menschen, die überzeugt sind, gut vorbereitet zu sein. Und trotzdem begegnen mir immer wieder dieselben Sätze.

„Wir sind doch verheiratet.“ „Meine Frau kann das dann entscheiden.“ „Wir haben eine Vorsorgevollmacht.“ „Eine Patientenverfügung haben wir irgendwann einmal gemacht.“ „Meine Kinder wissen schon, wo alles ist.“Manchmal reichen wenige Fragen, um festzustellen: Nein. Sie wissen es nicht. Und genau das beschäftigt mich.

Ein Dokument allein macht noch keine Vorsorge

In den vergangenen sechs Artikeln hier auf maklerblog.de habe ich einige Geschichten aus meinem Alltag erzählt. Geschichten, die sehr unterschiedlich sind und trotzdem etwas gemeinsam haben.

Da gibt es Dokumente, bei denen ausgerechnet wichtige Bereiche nicht geregelt wurden. Da möchte eine Familie eine Immobilie kaufen, und plötzlich stellt sich heraus, dass auf der anderen Seite ein Eigentümer nicht mehr selbst handeln kann und die vorhandene Vollmacht zum Problem wird. Da haben Menschen gleich mehrere Bevollmächtigte eingesetzt und waren überzeugt, damit besonders gut vorgesorgt zu haben. Da liegen Patientenverfügungen seit vielen Jahren im Schrank und niemand hat sich mehr gefragt, ob das, was damals aufgeschrieben wurde, heute tatsächlich eindeutig genug ist.

Und dann gibt es Familien, die tatsächlich vieles richtig gemacht haben. Die Vorsorgevollmacht ist vorhanden.

Nur weiß im Ernstfall trotzdem niemand, was jetzt eigentlich zu tun ist.

Denn eine Vorsorgevollmacht ist für mich vor allem eines: Ein Darfschein. Sie kann einem anderen Menschen die Möglichkeit geben, für mich zu handeln. Aber sie sagt ihm noch lange nicht, was er morgen früh als Erstes tun soll.

Welche Versicherungen müssen informiert werden? Welche Konten gibt es? Welche Verträge laufen? Wo liegen wichtige Unterlagen? Welche Fristen müssen eingehalten werden? Wer kümmert sich um die Kinder? Wer um das Unternehmen? Wer um das Haus? Und wer weiß überhaupt, dass es diese Vollmacht gibt und wo sie liegt?

Das sind keine theoretischen Fragen. Das ist das Leben.

Ich kenne auch die andere Seite

Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema auch deshalb seit so vielen Jahren, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn plötzlich nichts mehr theoretisch ist.

2010 ist meine Frau völlig unerwartet an einer Hirnblutung gestorben. Von einem Moment auf den anderen war nichts mehr so wie vorher.

Und während du eigentlich begreifen möchtest, was gerade mit deinem Leben passiert ist, interessiert sich das Leben nicht dafür, ob du dafür bereit bist. Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Dinge müssen organisiert werden. Es gibt Behörden, Banken, Versicherungen, Verträge und Fristen. Und gleichzeitig ist da eine Familie, für die du irgendwie funktionieren musst.

Wir hatten damals keinen Plan für diese Situation. Keine Vorsorge, die all das aufgefangen hätte. Ich habe selbst erlebt, was gesetzliche Betreuung bedeutet. Ich habe erlebt, wie aus fehlender Vorbereitung zusätzliche Probleme entstehen können. Und ich habe erlebt, wie belastend ein Erbstreit sein kann, wenn eigentlich schon genug Belastung da ist.

Ich hätte mir damals jemanden gewünscht, der mir vorher gesagt hätte: Steffen, setzt euch einmal hin. Redet darüber. Regelt die Dinge, solange ihr sie noch gemeinsam regeln könnt. Aber diesen Menschen gab es nicht. Vielleicht bin ich deshalb irgendwann selbst dieser Mensch für andere Familien geworden.

Und trotzdem passieren die gleichen Fehler weiter.

Seitdem sind 14 Jahre vergangen. Ich habe in dieser Zeit jedes Jahr etwa 30 bis 40 Familien begleitet. Und natürlich hat sich vieles verändert.

Gesetze haben sich geändert. Rechtsprechung hat sich weiterentwickelt. Formulare wurden überarbeitet. Heute gibt es unzählige Informationen im Internet und Dokumente können teilweise mit wenigen Klicks erstellt werden. Aber eine Sache hat sich erstaunlich wenig verändert: Die Irrtümer der Menschen sind oft noch dieselben.

Noch immer glauben Ehepartner, dass sie automatisch alles füreinander entscheiden dürfen. Noch immer werden Dokumente einmal erstellt und anschließend für viele Jahre in einen Ordner gelegt. Noch immer wissen Angehörige häufig nicht, was geregelt wurde und wo sie im Ernstfall überhaupt anfangen sollen. Und noch immer beschäftigen sich viele Familien erst dann mit diesen Fragen, wenn der Notfall bereits eingetreten ist. Genau deshalb schreibe ich dieses Buch. Nicht, weil Deutschland noch ein Buch mit Paragraphen braucht. Und auch nicht, weil ich aus Familien kleine Juristen machen möchte. Ganz im Gegenteil.

Ich möchte einen Ratgeber schreiben, den Menschen verstehen. Einen Ratgeber, nach dessen Lektüre eine Mutter ihren Partner vielleicht fragt: „Was wäre eigentlich, wenn morgen etwas mit dir passiert?“ Einen Ratgeber, der einem Vater zeigt, welche Fragen er für seine Familie einmal beantworten sollte. Einen Ratgeber, der Menschen nicht nur dazu bringt, ein Dokument zu unterschreiben, sondern miteinander zu sprechen.

Über ihre Kinder. Über ihre Wünsche. Über Geld. Über Krankheit. Über Pflege. Und ja, auch über den Tod. Nicht, weil wir Angst davor haben sollen. Sondern weil wir Verantwortung für die Menschen übernehmen können, die zurückbleiben oder für uns handeln müssen.

Mein Ziel ist eigentlich ziemlich einfach

Ich möchte, dass weniger Familien irgendwann völlig unvorbereitet vor einer Situation stehen, die schon schwer genug ist.

Und was hat das alles mit dir als Makler zu tun?

Vielleicht hast du beim Lesen meiner Geschichten in den vergangenen Artikeln an den einen oder anderen eigenen Kunden gedacht. Vielleicht aber auch: Muss ich mich jetzt auch noch mit Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Notfallplänen beschäftigen?

Nein. Musst du nicht. Du musst keine Vorsorgevollmacht prüfen. Du musst keine Patientenverfügung erklären. Du musst nicht wissen, welche Formulierung in welchem Dokument fehlt. Und du musst schon gar nicht selbst zum Experten für diese Themen werden.

Aber du kannst eine Frage stellen: „Wäre deine Familie eigentlich handlungsfähig, wenn morgen einer von euch plötzlich ausfällt?“ Manchmal braucht es nicht mehr, um etwas Wichtiges anzustoßen. Denn genau an dieser Stelle kann meine Arbeit beginnen.

Ich übernehme die weitere Begleitung der Familie. Wir schauen gemeinsam, was bereits vorhanden ist, wo Fragen offen sind und was zur jeweiligen Familienkonstellation passt. Wo eine individuelle rechtliche Beratung und Gestaltung notwendig ist, gehören die entsprechenden juristischen Fachleute in den Prozess. Du musst diese Arbeit nicht übernehmen.

Du bleibst derjenige, der seine Kunden kennt. Der weiß, dass sie gerade ein Haus gekauft haben. Der weiß, dass zwei kleine Kinder zu Hause sitzen. Der weiß, dass einer von beiden selbstständig ist. Der vielleicht seit vielen Jahren erlebt, wie sich diese Familie entwickelt.

Und dann stellst du im richtigen Moment eine Frage, die möglicherweise wichtiger ist als der nächste Versicherungsvertrag. Das ist keine zusätzliche Fachberatung. Es ist ein Impuls. Und anschließend dürfen andere die Arbeit übernehmen.

Vielleicht ist genau das eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus 14 Jahren Familienbegleitung: Gute Vorsorge bedeutet nicht, dass einer alles können muss.

Gute Vorsorge entsteht, wenn im richtigen Moment die richtigen Menschen zusammenspielen.

Warum ich dieses Buch wirklich schreibe

Das Buch wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2027 erscheinen. Bis dahin liegen noch viele Seiten vor mir. Viele Geschichten. Viele Gespräche. Und vermutlich werde ich beim Schreiben noch häufiger an Situationen aus den vergangenen 14 Jahren denken. An Familien, bei denen wir rechtzeitig etwas regeln konnten. Aber auch an Situationen, bei denen der Notfall schneller war.

Und natürlich werde ich immer wieder an meine eigene Geschichte denken. An 2010. An die Situation, in der ich selbst nicht vorbereitet war. Ich kann nicht verhindern, dass Menschen krank werden. Ich kann keinen Unfall verhindern. Und ich kann nicht verhindern, dass ein Mensch plötzlich stirbt. Aber vielleicht kann ich dazu beitragen, dass eine Familie in diesem Moment nicht zusätzlich vor einem Berg ungeklärter Fragen steht.

Vielleicht liest irgendwann jemand dieses Buch und setzt sich danach mit seinem Partner an den Küchentisch. Vielleicht werden dann ein paar unangenehme Fragen gestellt. Vielleicht werden Entscheidungen getroffen. Vielleicht werden Dokumente erstellt. Und vielleicht weiß eine Familie Jahre später deshalb ganz genau, was zu tun ist.

Dann sagt möglicherweise irgendwann jemand einen Satz, der für mich mehr wert wäre als jede Verkaufszahl dieses Buches: „Zum Glück haben wir damals darüber gesprochen.“ Wenn mein Buch dazu beiträgt, dass nur eine Familie im entscheidenden Moment besser vorbereitet ist, als meine Familie es damals war, dann hat sich jede einzelne Seite gelohnt.

Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe: „Mein Todesurteil“: Wenn das Formular zur Falle wird

Titelbild: © Steffen Moser

  • Vorsorgevollmacht
  • Beratungsanlässe & Gesprächsführung
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Häufige Fragen

Welche Rolle können Maklerinnen und Makler bei einer Vorsorgevollmacht spielen?

Maklerinnen und Makler müssen Vorsorgevollmachten nicht rechtlich prüfen oder gestalten. Sie können jedoch erkennen, wann die familiäre oder finanzielle Situation einen Anlass bietet, das Thema anzusprechen. Eine gezielte Frage zur Handlungsfähigkeit der Familie im Notfall kann den Einstieg in eine weiterführende Vorsorgeplanung schaffen.

Warum reicht eine Vorsorgevollmacht allein für den Notfall oft nicht aus?

Eine Vorsorgevollmacht kann festlegen, wer für eine andere Person handeln darf. Sie beantwortet jedoch nicht automatisch, welche Versicherungen, Konten, Verträge oder Verpflichtungen bestehen, wo Unterlagen liegen und welche Schritte im Ernstfall zuerst notwendig sind. Deshalb sollte sie Teil einer umfassenderen Notfallplanung sein.

Welche Rolle können Maklerinnen und Makler bei einer Vorsorgevollmacht spielen?

Ein geeigneter Einstieg ist eine konkrete Frage zur Situation der Familie: Wäre sie organisatorisch und finanziell handlungsfähig, wenn morgen eine zentrale Person ausfällt? Daraus kann sich ein Beratungsanlass ergeben, bei dem anschließend spezialisierte Fachleute für rechtliche oder individuelle Gestaltungsfragen eingebunden werden.

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Autor

Steffen Moser

Steffen Moser – der Familienbeschützer begleitet Familien, Selbstständige und Unternehmer bei der Vorsorge- und Notfallplanung. Sein Fokus liegt auf Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und der Frage, wie Familien im Ernstfall handlungsfähig bleiben.
Schwerpunkte:
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