Im Rahmen des RiskTrail 2026 haben wir PKV-Spezialisten unter den Teilnehmern gefragt, was sie wirklich auf Trab hält. Drei Makler und eine Expertin aus der Risikoprüfung haben uns berichtet, wo es im PKV-Alltag wirklich brennt und was sich ändern müsste.
Beitragsstabilität, Tarifvergleiche, Bedarfsanalyse: Das sind die Themen, über die in der PKV-Beratung am häufigsten gesprochen wird. Was seltener nach außen dringt, sind die Fälle, in denen selbst erfahrene Maklerinnen und Makler nichts mehr ausrichten können. Beim RiskTrail 2026, dem ersten Community-Event, das wir gemeinsam mit der BarmeniaGothaer und der DELA im Natur-Resort Tripsdrill durchgeführt hatten, haben wir genau danach gefragt.
Wenn der Schaden schon da ist
Marcus Knispel, Versicherungsmakler und PKV-Spezialist, erinnert sich an einen Fall, der ihn bis heute beschäftigt. Eine Interessentin ließ sich von einem Vermittler zu einem PKV-Wechsel überreden, mit dem Versprechen, dass eine laufende Vorsorgeuntersuchung mit ausstehenden Ergebnissen kein Problem sei. Der Rat des Vermittlers: Einfach angeben, gesund zu sein. Kurz nach Vertragsabschluss wurde Krebs diagnostiziert. Die neue Versicherung kündigte sofort. „In diesem Fall konnte ich tatsächlich nichts mehr machen“, sagt Knispel. „Die Kundin konnte weder zurück zum alten Versicherer noch beim neuen bleiben. Es blieb nur der Basistarif und der leistet erst ab dem Moment, ab dem er in Kraft tritt. Die Schlechteste aller Welten.“
Auch Robert Böhrk, von Buddenbrock Concepts, kennt Fälle, in denen selbst professionelle Begleitung an strukturelle Grenzen stößt. Eine US-amerikanische Kundin mit der Vorerkrankung MS hatte keinen Anspruch auf GKV-Mitgliedschaft. Der einzige Weg war der Basistarif. Von Beantragung bis Policierung vergingen zwölf Monate. „Eine Riesenbelastung für die Kundin“, sagt Böhrk. Sein Learning: „Wenn ein Kunde in den Basistarif muss, rate ich dazu, das direkt mit einem Anwalt zu begleiten. Als Makler allein kannst du leider kaum Druck aufbauen.“
Die stille Zeitbombe: Gesundheitsangaben
Was beide Experten eint, ist ein Thema, das den Beratungsalltag mehr bestimmt als jeder Tarifvergleich: die Aufbereitung von Gesundheitsdaten. Knispel beschreibt es als „ewigen Pain“:
„Viele Kunden unterschätzen, welche Angaben sie machen müssen und wie detailliert diese sein müssen. Aufgrund von falschen Abrechnungsdiagnosen oder Fehldiagnosen kommt es immer wieder zu unschönen Schleifen im Beratungsprozess: Untersuchungsberichte, ärztliche Atteste, Datenkorrekturen. Bis wirklich alle Daten lückenlos und richtig vorliegen, dauert es oft sehr lange.“ – Marcus Knispel
Böhrk hat daraus eine klare Konsequenz gezogen: Beitragsanpassungen, Kinderkrankengeld, Anzeigepflichtprüfungen, all das spricht er heute proaktiv an.
„Die Kunden sollen nicht überrascht sein, sondern die Themen zumindest einmal vorher gehört haben.“ – Robert Böhrk
Remie Gerstenberger von der Finanzstube GmbH erlebte, wie folgenreich unvollständige Gesundheitshistorien werden können, besonders wenn sich die Lebensplanung eines Kunden unerwartet ändert. Eine Kundin hatte eine Anwartschaft widerrufen, weil sie eine Verbeamtung ausschloss. Ein halbes Jahr später ließ sie sich doch verbeamten, mit zwei F-Diagnosen in der Patientenquittung.
Eine passende PKV ohne Risikozuschlag war nicht mehr zu finden. „Nun hat sie durch den 30-prozentigen Risikozuschlag und die verringerte Tarif- und Anbieterauswahl eine teure und leistungsschwache PKV für möglicherweise ihr restliches Leben“, sagt Gerstenberger.
„Mein Umgang damit: offene Kommunikation mit der Kundin, ständige Suche nach einem guten Votum, Wiedervorlage für einen späteren sinnvollen Tarifwechsel.“ – Remie Gerstenberger
Was in der Risikoprüfung wirklich zählt
Beate Dell, Leiterin Antragsservice bei der BarmeniaGothaer, blickt auf die Fälle aus der anderen Richtung und benennt drei Punkte, die in der Praxis immer wieder zu vermeidbaren Verzögerungen führen:
Erstens die Vorauswahl von Angaben durch die Maklerin oder den Makler.
„In der Beratung vorab zu entscheiden, welche Angaben an die PKV weitergegeben werden, sollte vermieden werden. Die Gesellschaft entscheidet, was risikorelevant ist, nicht der Vermittler.“ – Beate Dell
Zweitens die Verwendung von GKV-Abrechnungsübersichten: „Die Diagnoseschlüssel, die der Arzt mit der Krankenkasse abrechnet, stimmen mit den tatsächlichen Erkrankungen meist nicht überein. Viel besser: die Patientenkartei des Arztes aushändigen lassen.“
Und drittens: zu vage Angaben ohne Kontext: Statt „Knieschmerzen“ lieber „Kreuzbandriss, operiert“, statt „Magenspiegelung“ den konkreten Befund mit Verlauf.
Ihr Fazit: Ein Antrag wird nicht wegen schlechter Aufbereitung abgelehnt, fehlende Angaben werden nachgefordert. Aber vollständige, präzise Unterlagen beschleunigen den Prozess erheblich und vermeiden unnötige Rückfragen.
Beitragsanpassungen: Kein Schock, wenn man vorbereitet ist
Dass 60 Prozent der Privatversicherten Anfang 2026 eine Beitragsanpassung von durchschnittlich 13 Prozent erhielten, verändert die Beratungsgespräche der drei Makler kaum, weil das Thema bei ihnen längst Standard ist. „Der Punkt verändert meine Beratung überhaupt nicht, weil ich mit meinen Kunden immer schon sehr detailliert über Beitragsanpassungen spreche“, sagt Knispel. Böhrk formuliert es so: „Meine Kunden fragen nicht, warum die Beiträge steigen, sie fragen nur, ob die Steigerung okay ist.“
Gerstenberger geht noch einen Schritt weiter: In jedem PKV-Erstgespräch gibt es bei ihm eine Ist- und Soll-Betrachtung mit mathematischen Hochrechnungen für die Situation im Rentenalter. Bestandskunden erinnert er einmal jährlich aktiv an die Möglichkeit der Beitragsentlastung.
Titelbild © NewFinance