Mit EmpCo steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen. Was bedeutet das für nachhaltige Anlageprodukte und vor allem für Makler? Uwe Mahrt, CEO von Pangaea Life, erklärt, wie sein Unternehmen mit den neuen Vorgaben umgeht und worauf Vermittler bei der Nachhaltigkeitskommunikation künftig achten sollten.
Ist EmpCo aus Ihrer Sicht ein sinnvoller Schritt oder vor allem weitere belastende Regulatorik?
Grundsätzlich halte ich die Richtung für richtig, denn Nachhaltigkeit muss mehr sein als ein gut klingendes Etikett. Wer zum Beispiel mit ökologischen Eigenschaften wirbt, sollte auch konkret belegen können, worauf diese Aussage beruht. Entscheidend ist für mich, dass aus sinnvollem Verbraucherschutz keine unnötige regulatorische Komplexität entsteht.
Was bedeutet EmpCo konkret für Pangaea Life? Wie haben Sie sich auf die neuen Anforderungen vorbereitet?
Wir haben schon vor EmpCo darauf gesetzt, Nachhaltigkeit möglichst konkret, nachvollziehbar und transparent zu machen. Unsere Fonds investieren in reale Sachwerte wie Wind-, Wasser- und Solarparks oder Immobilien, deren Eigenschaften sich anhand konkreter Kennzahlen dokumentieren lassen, und über unsere digitale Investmentreise machen wir einzelne Investments zusätzlich sichtbar. EmpCo bedeutet für uns deshalb keinen Neustart, sondern vor allem die Aufgabe, vorhandene Substanz noch präziser zu kommunizieren.
Mussten Sie dafür Produkte oder ESG-Kriterien anpassen?
An der grundlegenden Ausrichtung und den Kriterien unserer Fonds ändert EmpCo nichts, präziser werden muss vor allem die Kommunikation darüber. Unsere Fonds „Blue Energy“ und „Blue Living“ bewerben ökologische Merkmale und sind gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft, wobei die konkreten Merkmale in den entsprechenden Offenlegungen beschrieben werden. Wir arbeiten deshalb insbesondere daran, Werbeaussagen, Nachweise und Fundstellen noch klarer miteinander zu verknüpfen.
Wie weisen Sie die ökologischen Merkmale von „Blue Energy“ und „Blue Living“ künftig konkret nach?
Wir wollen möglichst nah am einzelnen Sachwert zeigen, welche konkreten Eigenschaften und Kennzahlen hinter unseren Aussagen stehen. Bei „Blue Energy“ gehören dazu beispielsweise die installierte Leistung der Anlagen und die tatsächlich erzeugte erneuerbare Energie in Megawattstunden. Bei „Blue Living“ können wir unter anderem mit konkreten Energieeffizienzstandards der Immobilien arbeiten, statt mit pauschalen grünen Versprechen.
Wo verläuft damit künftig die Grenze zwischen zulässiger Nachhaltigkeitskommunikation und Greenwashing?
Die Grenze verläuft für mich dort, wo aus einer konkreten und belegbaren Aussage eine pauschale Behauptung wird. Wer beispielsweise über die erzeugte Menge erneuerbarer Energie spricht, kann dafür eine überprüfbare Kennzahl vorlegen. Das ist etwas anderes, als ein Produkt einfach nur als „grün“ zu bezeichnen. Künftig gilt deshalb noch stärker: spezifisch und belegbar statt pauschal und plakativ.
Ein weiterer Punkt ist das Verbot kompensationsbasierter Aussagen. Wie stark betrifft das Pangaea Life?
Uns betrifft dieser Punkt in unserer bisherigen Produktkommunikation nur sehr begrenzt, weil unser Ansatz nicht auf dem Kauf von CO₂-Zertifikaten oder kompensationsbasierten Produktversprechen beruht. Unser Kern sind reale Sachwerte und deren messbare Eigenschaften, etwa die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Sollten Kompensationsmaßnahmen im Umfeld einzelner Veranstaltungen – wie etwa unser Berlinale-Sponsoring – eingesetzt werden, müssen diese klar von Aussagen über die Produkte und deren Eigenschaften getrennt bleiben.
Dürfen Vermittler künftig noch Begriffe wie „klimaneutral“ verwenden?
Pauschale Begriffe wie „klimaneutral“ sollten Vermittler im Produktkontext künftig nur mit äußerster Vorsicht verwenden, insbesondere wenn die Aussage auf einer Kompensation von Emissionen außerhalb der Wertschöpfungskette basiert. Pangaea Life selbst wirbt weder für seine Fonds noch als Unternehmen mit Klimaneutralität und stützt seine Kommunikation auch nicht auf den Kauf entsprechender Zertifikate. Wir empfehlen unseren Partnern deshalb grundsätzlich, konkrete und überprüfbare Produkteigenschaften zu benennen, statt mit weitreichenden Schlagworten zu arbeiten.
Was bedeutet EmpCo damit konkret für Vermittler?
Das Risiko steigt auch für Vermittler, wenn sie im Kundengespräch oder in der eigenen Werbung Umweltaussagen verwenden, die sich nicht ausreichend belegen lassen. Deshalb wollen wir unseren Partnern sorgfältig geprüfte Informationen und Materialien zur Verfügung stellen, auf deren Grundlage sie unsere Produkte präzise erklären können. Gleichzeitig bleibt Nachhaltigkeitskommunikation eine gemeinsame Verantwortung, denn der Vermittler ist für eigene Aussagen gegenüber seinen Kunden weiterhin selbst verantwortlich.
Wie bereitet Pangaea Life seine Vertriebspartner auf die neuen Anforderungen vor?
Wir bereiten unsere Vertriebspartner aktiv auf die neuen Anforderungen vor. Es gibt unter anderem Schulungs- und Webinarangebote, konkrete Argumentationshilfen mit Do’s und Don’ts sowie Anpassungen von Beratungs- und Kommunikationsunterlagen, wo dies erforderlich ist. Unser Ziel ist, dass Vermittler Nachhaltigkeit nicht vorsichtiger, sondern besser erklären können: konkret, verständlich und belegbar.
Können strengere Regeln aus Ihrer Sicht am Ende das Vertrauen in nachhaltige Produkte stärken?
Kurzfristig werden Verbraucher wahrscheinlich genauer hinschauen und manche Nachhaltigkeitsaussage kritischer hinterfragen. Langfristig kann genau das das Vertrauen in Angebote stärken, die ihre ESG-Merkmale nachvollziehbar belegen können. Denn Nachhaltigkeit gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn sie überprüfbar und vergleichbar wird.
Titelbild: © Uwe Mahrt