Gedanken zum Montag.
Rund 16.000 Versicherungsmakler-Unternehmen gibt es in Deutschland. Genau 46.383 Versicherungsmaklerinnen und Versicherungsmakler in persona waren laut DIHK Ende 2024 als Vermittler registriert.
Das sind knapp 26 Prozent der in Deutschland registrierten Vermittler aller Vertriebswege. Maklerunternehmen betreuen derzeit je nach Schätzung über 20 Millionen Privat- und Gewerbekunden. Mit knapp 30 Prozent des Gesamtvolumens am Geschäft der deutschen Versicherer ist der Maklermarkt der zweitstärkste Vertriebsweg.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Branche sind indes nur der eine - und der weniger bedeutsame - Aspekt. Viel entscheidender ist der gesellschaftspolitische Auftrag. Maklerinnen und Makler stehen und handeln qua Gesetz und Selbstverständnis im Lager ihrer Kunden.
Sie sind keiner Gesellschaft, keinem Label verpflichtet, sondern allein ihren Mandanten. In Zeiten wirtschaftlicher Rezession, demografischen Wandels, wachsender Altersarmut, zerstörerischer Großereignisse und sozialer Spannungen, in denen der Staat immer weniger zu Wohlstand und Zukunft der Menschen im Land beizutragen vermag, kommt der Maklerschaft (wie auch anderen Beraterinnen und Beratern) eine immer größere Bedeutung zu.
Die Seiten der Medaille
Maklerinnen und Makler sichern Werte, Leben, Gesundheit, Zukunft. Sie schützen Lebensläufe, Familien, Unternehmen, Gemeinschaft. Sie sind ein integrales und hoch wirksames Funktionselement unserer Gesellschaft, ohne das vieles im Land nicht nur anders, sondern viel schlechter laufen würde.
Zugleich kämpfen Maklerunternehmen tagein, tagaus mit wachsenden bürokratischen Anforderungen. Mit einer vielfach (gegenüber anderen Branchen) weit zurückgebliebenen IT-Infrastuktur vieler Versicherer. Mit Nachwuchs- und Nachfolgeproblemen. Mit schwindender Wirtschaftskraft in Privathaushalten und Betrieben. Und last not least … mit einem weiterhin schwachen Image.
"Einer der wichtigsten Jobs, die es in Deutschland gibt"
Mein geschätzter Branchenkollege Bastian Kunkel schrieb heute früh in einem LinkedIn-Post: „Wenn man den Job richtig macht und den Kunden in den Mittelpunkt stellt, ist es einer der wichtigsten Jobs, die es in Deutschland gibt.“ … und später dann: „Die Branche ist viel besser als ihr Ruf. Nur weiß das leider fast niemand.“
Recht hat er.
Ich tummele mich jetzt seit rund 30 Jahren in den Medien und beinahe 20 Jahre in der Versicherungs-Bubble. In diesen zwei Jahrzehnten hat sich die Makler-Community rasant und bewundernswert entwickelt. Der "Bauchladen-Vermittler" früherer Jahre ist hoch spezialisierten, klugen, kreativen und dynamischen Unternemerinnen und Unternehmern gewichen, die nicht nur genau wissen, was sie wollen, sondern auch, wer und wie sie sein wollen. Und damit meine ich gewiss nicht nur die jungen Protagonisten.
Das Momentum der sozialen Verantwortung treibt diese Menschen ebenso an wie der Wille, trotz wachsender Komplexität und wirtschaftlicher Herausforderung jeden Tag einen guten Job, oder wie Bastian sagt: den Job richtig zu machen. In Qualifikation, Professionalität und Berufsethos sehe ich dieses Klientel der „Potenzialmaklerinnen und -makler“, wie wir sie gern nennen, gesellschaftlich auf einer Ebene mit Steuerberatern, Rechtsanwälten oder ähnlichen Berufen. Und wir sind stolz, einige - und immer mehr von Ihnen - hier im Maklerblog zum Kreise der Autorinnen und Autoren zu zählen.
Selbst und ständig
Und dennoch haben Maklerinnen und Makler nach wie vor keine echte Lobby. Berufsverbände setzen sich zwar ein für eine Politik, die den Berufsstand fördern statt ihn beschränken möge. Aber darüber hinaus? Und seien wir ehrlich: Versicherer bekennen sich zum Vertriebsweg Makler zuweilen mehr deshalb, weil es ihn gibt - und weil er so stark ist (Ausnahmen ausgenommen). Pools aggregieren und unterstützen durch Technik, Know-how, Infrastruktur und gesamtverhandelte Konditionen, nutzen einzelne Makler jedoch eher in der Kohorte, um das eigene Unternehmen mit Werten zu füllen - je mehr, desto besser. Und Branchenmedien berichten zwar, doch vielfach nicht konsequent aus der „Brille“ der Maklerschaft, sondern aus der anderer Stakeholder. Vielerorts in der Branche sind Makler mehr Nummern als Individuen. Ihrer Bedeutung wird das nicht gerecht.
Was bleibt also übrig?
Im Grunde vor allem eins: die Community selbst. Und die kann stark genug werden, wenn es ihr - und uns gemeinsam - gelingt, inhaltlich, fachlich, menschlich und mit ihren Werten, ihren Überzeugungen „an einem Strang zu ziehen“. Und damit vor allem eines: spürbar und nachhaltig sichtbar zu werden.
Das und nichts anderes ist das wirksamste Instrument, um die kollektive Wahrnehmung Stück für Stück zu „drehen“. Und das Image dorthin zu heben, wohin es gehört:
Ganz nach vorn!
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