Führung ist für mich kein Titel, sondern eine Haltung. Schon 2017, als ich den Schritt in meine erste Führungsrolle ging, war mir klar: Ich möchte nicht einfach „Chef“ sein, sondern andere Menschen befähigen. Mein Antrieb war es, Kolleginnen und Kollegen stärker zu machen: fachlich, methodisch und persönlich. Denn am Ende wächst ein Unternehmen nicht allein durch Umsätze oder Strukturen, sondern durch die Menschen, die es tragen.
Geprägt hat mich besonders das Servant-Leadership-Modell von Robert Greenleaf, dass ich im Konzern kennengelernt habe. Statt Hierarchien zu zementieren, stellt es die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt. Führungskräfte sind dabei nicht oben im System und „herrschen“ nach unten. Nein, die Führungskraft „dient“ dem Mitarbeiter, geht mit positivem Handeln voran und erzeugt dadurch positiven Sog.
Genau diesen Ansatz habe ich ins KV.Haus getragen: Hier ist jeder gleich viel wert, ob Geschäftsführung, Partner oder Backoffice. Egos haben keinen Platz. Was zählt, ist der gemeinsame Weg und die gemeinsame Entwicklung.
Veränderung zulassen
Wer führen will, muss sich selbst führen können. Das bedeutet vor allem, reflektiert zu bleiben und das eigene Mindset immer wieder zu hinterfragen:
- Sind die Dinge, die wir tun, noch die richtigen?
- Bringen sie uns dem Zielbild näher?
Wenn ja, machen wir so weiter. Wenn nicht, ändern wir etwas. Diese Selbstreflexion ist kein einmaliger Akt, sondern ein permanenter Prozess, den wir im KV.Haus fest verankert haben.
Wachstum erfordert, Muster zu brechen und alte Denkweisen loszulassen. Gerade in einer Branche, die oft von Traditionen geprägt ist, müssen bewusst neue Wege gegangen werden. Für mich ist es selbstverständlich, dass wir uns immer wieder neu erfinden.
Wer Veränderung nur einmal „abarbeitet“ und dann zur Tagesordnung übergeht, hat schon verloren.
Moderne Führung im Maklerunternehmen
Moderne Führung bedeutet für mich, als Vorbild voranzugehen, ein realistisches Zielbild aufzuzeigen und das Team dafür zu begeistern. Es geht nicht darum, Vorgaben von oben herab zu diktieren, sondern Freiräume zu schaffen, in denen Mitarbeitende eigenständig wirken können. Klare Werte und Leitplanken geben Orientierung, aber innerhalb dieser Grenzen ist Platz für Individualität und Kreativität.
Diese Mischung aus Zielorientierung und Freiheit schafft Energie. Jeder weiß, worum es geht, aber jeder darf auch seinen eigenen Weg dorthin gestalten. Das Ergebnis: mehr Motivation, mehr Verantwortung und am Ende mehr Freude an der Arbeit. Denn ein Maklerbüro mag zwar klein erscheinen, doch die Prinzipien guter Führung gelten hier genauso wie in jedem Konzern.
Widerstände vermeiden, Commitment erzeugen
Veränderungen stoßen nie auf grenzenlose Begeisterung. Widerstände gehören dazu, aber sie lassen sich minimieren. Der Schlüssel liegt darin, das große Ganze sichtbar zu machen: Wo wollen wir hin und warum? Wer Sinn und Nutzen versteht, stellt sich nicht quer. Deshalb ist es mir wichtig, Mitarbeitende aktiv einzubeziehen, Ziele gemeinsam zu entwickeln und Erfolge regelmäßig sichtbar zu machen und zu feiern.
Besonders effektiv ist es, wenn Mitarbeitende selbst zur Quelle der Veränderung werden. Wer eigene Ideen einbringt und Lösungen erarbeitet, trägt sie mit Überzeugung nach vorne. Als Teamleader ist es unsere Aufgabe, diesen Prozess zu moderieren und zu begleiten. Wenn dann auch noch Teilerfolge gefeiert und gewürdigt werden, entsteht ein Momentum, das weit über die ursprüngliche Veränderung hinaus trägt.
Achtsamkeit und Selbstreflexion
Im KV.Haus haben wir uns bewusst Werte gesetzt: achtsam, liebevoll, wertschätzend. Das klingt vielleicht ungewöhnlich für ein Maklerunternehmen, ist aber unser gelebter Alltag. Wir verstehen uns als Familie, in der es nicht nur auf fachliche Skills ankommt, sondern auch auf Menschlichkeit und Empathie. Wer hier arbeitet, soll nicht das Gefühl haben, „zur Arbeit zu gehen“, sondern Teil eines Teams sein, das ein gemeinsames Ziel verfolgt.
Dazu gehört auch ein strukturiertes Feedback- und Entwicklungsprogramm. Mit unserem „KVolve“-Programm motivieren wir alle Teammitglieder maximalen Mehrwert im neuen Geschäftsfeld der bKV zu leisten, denn am Jahresende werden nicht unerhebliche Teile des Umsatzes auf die Bereiche Einmalzahlung, Workation und Entwicklung verteilt. Mitarbeitende erhalten quartalsweise Feedback, die Möglichkeit die eigenen Entwicklung zu reflektieren und neue Ziele festzulegen.
Für mich ist das kein Luxus, sondern Pflicht: Egal wie groß oder klein ein Unternehmen ist, jeder hat ein Recht auf persönliche Entwicklung.
Typische Denkfehler im Change-Prozess
Viele unterschätzen, wie viel Zeit Veränderung braucht. Ein häufiger Fehler ist die Annahme, man könne heute etwas umstellen und morgen sei alles gut. Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie erfordert Beharrlichkeit, realistische Zielbilder und die Bereitschaft, immer wieder kleine Schritte zu gehen.
Ein weiterer Denkfehler: zu glauben, dass nach einer großen Veränderungsphase „Ruhe einkehrt“. Die Realität ist eine andere. Märkte, Technologien und Erwartungen ändern sich kontinuierlich. Wer sich auf Erfolgen ausruht, wird überholt. Deshalb bedeutet Change für mich, immer wieder Neues anzustoßen. Mal in großen Schritten, mal in kleinen, aber immer mit dem Blick nach vorn.
Mut als Erfolgsfaktor
Am Ende bleibt eine zentrale Botschaft: Ohne Mut geht es nicht. Mut, den Status quo zu hinterfragen. Mut, Risiken einzugehen. Und Mut, Neues auszuprobieren, auch wenn nicht sofort alles perfekt läuft. Für uns hat sich der Einsatz gelohnt: Mit klarer Vision, konsequenter Umsetzung und der Bereitschaft, immer wieder zu lernen, haben wir das KV.Haus entscheidend weitergebracht.
Mein Rat an andere Führungskräfte lautet daher: Setzt euch ehrlich mit eurem Geschäftsmodell auseinander, definiert euer Zielbild und geht dann mutig voran. Veränderung beginnt nicht mit Strukturen, sondern mit Haltung. Und genau hier liegt der größte Hebel, um ein Unternehmen zukunftsfähig zu machen.
Zum nächsten Beitrag dieser Reihe: Mitarbeiterentwicklung ist für alle da
Titelbild: © Fabian Albrecht