Die ehrliche Frage zur KI ist banal: Spart sie dem Makler heute eine Stunde – ja oder nein? Wer sie ernst nimmt, landet schnell bei der eigentlichen Frage. Nicht: Wie klug ist das Modell? Sondern: Auf welcher Datenbasis arbeitet es?
Kein Hype und noch am Anfang
KI ist derzeit das meistgenutzte Wort der Branche, und der Begriff ist inzwischen inflationiert. Trotzdem ist es kein Hype. Hype klingt nach einer Mode, die vorübergeht. KI wird uns auf lange Sicht fundamental beschäftigen und verändern. Im Makleralltag steht sie zugleich noch am Anfang. Für viele ist sie zu abstrakt, obwohl sie längst live ist und mit rasender Geschwindigkeit überall eingesetzt wird.
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Mehr InformationenWarum gerade in unserer Branche so viel Potenzial steckt, hat einen einfachen Grund. Wir kommen aus einer Welt mit schwieriger Datenqualität und hochkomplexen Geschäftsvorfällen: Versicherungen müssen beantragt werden, es gibt Schäden, eine Unzahl zeitaufwendiger Vorgänge. Wir stammen aus einem sehr niedrigen Digitalisierungsniveau und können das Gap, das über Jahre entstanden ist, mit den heutigen Möglichkeiten wahnsinnig schnell schließen. Möglichkeiten, die es vor einem Jahr in dieser Form nicht gab.
Zwei Stunden Warteschleife oder zwei Sekunden
Wie misst man, ob KI tatsächlich Zeit spart? Am besten an einem Vorgang, den jeder Makler kennt. Ein Kunde stellt eine Leistungsfrage zu seinem Bestandsvertrag: Ist dieser Schaden mitversichert? Im klassischen Ablauf beginnt jetzt die Defizitschleife. Ich melde mich beim Kunden ab, ich rufe beim Versicherer an, ich hänge in der Warteschleife, ich bekomme die Auskunft nicht sofort, ich muss sie interpretieren, dann versuche ich, den Kunden wieder zu erreichen. Das kann mich für eine einzige Auskunft zwei Stunden kosten.
Frage ich stattdessen den JDC Companion: im Kern ein KI-Agent auf Basis eines großen Sprachmodells, habe ich die Antwort in wenigen Sekunden, samt Verweis auf die konkrete Versicherungsbedingung zu genau diesem Tarif, gleich aus welcher Versicherungsgeneration. Der JDC Companion fragt sogar zurück, ob er die Antwort direkt an den Kunden schicken soll, in welcher Sprache, mit welchem Verweis. Geht es um einen konkreten Schaden, liefert er das passende Schadenformular und eine vorbereitete E-Mail gleich mit. Aus einer Frage werden automatisch die richtigen Folgeprozesse. Das ist heute kein Zukunftsbild, sondern Standard.
Warum eine KI nicht „Ich weiß es nicht“ sagt
Was unterscheidet eine solche KI von einem generischen Chatbot, der das offene Internet anzapft? Im Haftungskontext ist dieser Unterschied existenziell, keine Spitzfindigkeit. Ein offener Chatbot, der sich Informationen aus dem Netz zusammensucht, läuft immer Gefahr zu halluzinieren. Eine KI gesteht nicht ein, dass sie etwas nicht weiß. Stattdessen dichtet sie etwas zusammen oder interpretiert auch mal in die falsche Richtung. Und weil generative Modelle dazulernen, kann dieselbe Frage beim nächsten Mal eine andere Antwort liefern.
Unser geprüfter Tarif- und AVB-Assistent greift auf ein eigenes, geschlossenes Data Warehouse zurück. Verarbeitet werden ausschließlich Daten, die von uns geprüft und bereitgestellt sind. Das Risiko, dass dieser Assistent halluziniert, ist damit so gut wie ausgeschlossen. Wir weisen die Antwort trotzdem klar als KI-generiert aus. Nicht aus Koketterie, sondern aus Haltung: Die KI haftet nicht. Die Information ist richtig, aber die Verantwortung bleibt sichtbar, wo sie hingehört.
Wo die Verantwortung beim Menschen bleibt
Auch im Maschinenraum der Abwicklung wirkt das Prinzip. Wir haben über 2,7 Millionen Verträge im System, im Schnitt rund 1,9 Dokumente pro Vertrag, strukturiert und unstrukturiert. Diese Dokumente über KI auszulesen, zu interpretieren und daraus Folgeprozesse in den Verwaltungssystemen auszulösen, ist bei uns Standard. Das Ergebnis ist eine höhere Datenqualität, weil die Daten schneller, in Echtzeit, geprüft und validiert zur Verfügung stehen: wieder ein unmittelbarer Prozessvorteil für den Makler.
Und die Produktauswahl? Die KI kann Empfehlungen geben, sie bewerten, sie vorinterpretieren. Aber die letzte Entscheidung, welche dieser Empfehlungen wirklich zur individuellen Lebenssituation des Kunden passt, bleibt beim Makler. Das ist regulatorisch so vorgesehen, und es ist nicht delegierbar. Diese Entscheidung kann die KI nicht treffen, und sie soll es auch nicht.
Der Beratungsprozess von morgen
Wie sieht der KI-gestützte Beratungsprozess der nahen Zukunft aus – ein Horizont, der weniger 2030 als 2027 oder 2028 heißt? KI wird vor allem in der Vorbereitung stark sein: in der Recherche, im Tarifvergleich, in Bestandsprüfungen, im Abgleich von Deckungslücken, vielleicht sogar in der Auswertung geführter Beratungsgespräche. Der Makler muss verstehen, wie er diese digitale zweite Hälfte für seine Vorbereitung nutzt – ohne seine fachlichen Prüfungspflichten aus der Hand zu geben. Die bleiben bei ihm.
Die Vorbereitung einer Beratung wird also eine andere Qualität haben als heute, und auch die anschließende Abwicklung wird stark KI-getrieben sein. Der Mehrwert für den Kunden ist am Ende ganz einfach: Maklerinnen und Makler haben wieder mehr Zeit für das eigentliche Beratungsgespräch. Genau dort, wo Vertrauen entsteht, wird der Mensch gebraucht. Alles davor und danach kann und soll die Maschine übernehmen.
KI gibt es an allen Ecken. Aber Vertrauen verdient nur die KI, die auf geprüften Daten steht – und das in jeder einzelnen Antwort beweist.
Titelbild © JDC