Daran musste ich denken, als viele meiner Kunden Mitte August Post bekamen – und diesmal gab es reichlich Gelegenheit, in HB-Männchen-Manier hochzugehen.
Der Grund: ein DIN-A4-Blatt in feinstem Versicherungsfachchinesisch.
Absender: ein „neu digitaler“ Versicherer aus dem Internet.
Thema: Ankündigung der Kündigung. Wenn man’s verstanden hat.
Jahrelang waren seine Unfallversicherungen scharf kalkuliert. Gute Leistung, niedriger Preis. Doch „scharf kalkuliert“ wird in Zeiten steigender Kosten schnell zu „falsch kalkuliert“.
Also: Schluss machen.
Allerdings nicht mit Klartext, sondern mit vielen Worten um den heißen Brei. Eine verbal verschlungene „sehr hohe erwartete Schadensquoten“ trifft unter anderem auf „moderne Datenmodelle“. Begriffe, die für den Kunden so greifbar sind wie Nebel.
Der eigentliche Kern:
„Du bist uns zu teuer, wir haben uns verkalkuliert“
Er blieb zwischen den Zeilen versteckt.
Man hätte auch einfach schreiben können:
„Schön, dass du bei uns warst. Wir kündigen nicht sofort, sondern geben dir Zeit, mit deinem Makler eine neue Lösung zu finden.“
Aber klar: Wieso Klartext, wenn das Blatt doch soooooo lang ist?
An dieser Stelle kam mir George Clooney in den Sinn. Im Film „Up in the Air“ spielt er einen Agenten, der durchs Land reist, um im Auftrag von Firmen Angestellten die Kündigung zu überbringen. Mit mehr Empathie - und Flugmeilen.
Und damit sind wir beim Schluss machen:
In Beziehungen klingt das bekannt: „Wir müssen reden.“
Meistens folgt kurz darauf: „Wir gehen getrennte Wege.“
Da ist man verletzt, weil man jemanden verliert, den man eigentlich liebt.
Bei Versicherungen ist es anders: Sie sind in der Bevölkerung ja eher ungeliebt. Vielleicht bewirkt so eine Kündigung sogar, dass Kunden merken, wie wertvoll ein Makler ist, der schnell eine neue Lösung findet. Frei nach dem Motto: Minus mal Minus ergibt Plus. Ja, wer weiß… flüstert leise mein Wunschdenken.
Ob das am Ende ein Nachteil oder ein Vorteil ist - wir werden sehen.
Ich jedenfalls presse mir frei nach Clooney einen Kaffee aus der Kapselmaschine, dazu ein Schälchen Porridge (heißer Brei) – und vielleicht fange ich ja doch noch das Rauchen an.
Wer wird denn gleich in die Luft gehen?
HB fertig…
Hier geht es zum zweiten Teil von LeBonmot.