Marc-André Ter Stegen, Robin Gosens, Stefan Ortega, Leroy Sané, Florian Wirtz. Fünf Namen, fünf Nationalspieler der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Und sie haben eine Sache gemeinsam: Sie spielen alle im Ausland Fußball.
Wirtz (Liverpool FC) und Ortega (Manchester City) in England, Ter Stegen (FC Barcelona) in Spanien, Robin Gosens (AC Florenz) und Leroy Sané seit letztem Sommer bei Galatasaray Istanbul in der Türkei. Ausgangspunkt ihrer Karrieren war aber Deutschland.
Bei Robin Gosens als gebürtigem Emmericher und damit holländischem Grenzgänger sogar die Eredevise in den Niederlanden. Allesamt sind die genannten Spieler gute Beispiele dafür, wie eine Karriere im Fußball und im Profisport allgemein häufig verläuft: Die Wege führen aus dem Heimatland, in diesem Fall Deutschland, in andere Gefilde. Besonders spannend hier: Drei der exemplarisch genannten Spieler sind sogar außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) tätig. Und das kann versicherungstechnisch sehr relevant sein.
Gehe davon aus, dass dein Klient ins Ausland (zurück)-wechselt
Sobald ein Profisportler seine Karriere international fortsetzt, ändern sich nicht nur Sprache, Kultur und Liga-Niveau. Es ändern sich vor allem rechtliche Rahmenbedingungen, Sozialversicherungssysteme und Versicherungsanforderungen.
Vom staatlich finanziertem NHS-System in Großbritannien, das Krankenpflichtversicherungssystem in Österreich bis hin zu einer tarifvertraglichen Krankenversicherung in der Major League Soccer (USA) - die Unterschiede der Absicherung im Ausland sind enorm. Das gilt sowohl für die Krankenversicherung als auch für den Fall der Einkommensvorsorge, insbesondere der Karenzzeit für das Krankentagegeld.
Tobias Lommer ist Mitgründer der The Finance Athletes GmbH & Co. KG. Mit seinem Team entwickelt er individuelle Versicherungslösungen für Profisportlerinnen und Profisportler. Oft greift er bei der Absicherung dabei auf Produkte der BarmeniaGothaer zurück. Als Kurator dieser Serie bietet sie spezielle Absicherungskonzepte für Profisportlerinnen und -sportler, insbesondere im Bereich Krankenversicherung.
Absicherung für ProfisportlerBarmenia Maklerservice
Gothaer Partnerportal
Für uns als Versicherungsmakler, der sich nischig mit Profisportlern beschäftigt, bedeutet das Folgendes:
- Ich muss mich, je nach Niveau des Spielers, damit beschäftigen, wie ich ihn bestmöglich auf einen Auslandsaufenthalt versicherungstechnisch vorbereite.
- Ich benötige ein Netzwerk an internationalen Partnern, insbesondere an Orten, an denen ich selbst rechtlich nicht gut agieren kann (zum Beispiel Großbritannien).
Ich werde im folgendem vor allem auf den ersten Punkt eingehen.
Augen auf bei der PKV-Wahl
Es ist kein Geheimnis: Es gibt in Deutschland nur drei Krankenversicherer, die sich überhaupt Profisportler versicherungstechnisch antun. Und das gilt nicht einmal für jede Sportart (bspw. Marathonläufer möchte keiner haben).
Inhaltlich reden wir hier von Spitzentarifen, die wichtige Bausteine umfassen, wie Leistung über der Gebührenordnung für Ärzte / Zahnärzte (GOÄ / GOZ), freie Arztwahl etc. Doch bei drei Leistungspunkten trennt sich die Spreu vom Weizen:
- Verlegung des dauerhaften Aufenthaltsorts außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (konkret beispielsweise Großbritannien oder die USA), das heißt: Ist die Mitnahme der PKV überhaupt möglich?
- Begrenzung auf Inlandskosten bei der Verlegung des dauerhaften Aufenthaltsorts außerhalb der EWR
- Keine Bindung an landesübliche/ortsübliche Sätze bei Honoraren im Ausland
Es ist nicht unüblich, dass Profifußballer ihre deutsche Krankenversicherung im Ausland ergänzend fortführen wollen. Das kann verschiedene Beweggründe haben. Meistens ist der deutsche Schutz besser als der im Ausland, er ermöglicht aber auch eine Behandlung in Deutschland, welches ausländische Versicherer nicht bezahlen.
Wir haben konkret einen deutschen Nationalspieler im Ausland versichert, der weiterhin in Deutschland versichert war, und seine Reha in Deutschland absolviert hat. Die lokale Versicherung hat nicht bezahlt, der deutsche PKV-Versicherer hat die Rechnung voll übernommen.
In die andere Richtung gibt es aber auch Spieler, die in Deutschland spielen, häufig auch Nicht-Deutsche sind, und sich in der Heimat oder in Spezialkliniken im Ausland operieren lassen möchten. Hierfür ist es natürlich relevant, dass der Versicherer dann auch leistet.
Gemäß der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) erfüllt die von mir genannten Punkte 1-3 nur der Tarif einsAexpert+ von der Barmenia, während die Competitor nur Teilbereiche erfüllen, die sich vor allem auf Umzüge innerhalb der EWR beziehen, damit aber bspw. die Premier League ausschließen.
Die Relevanz wird in anderen Sportarten noch deutlicher
Bisher ging es vor allem um Fußball. Noch deutlicher wird die internationale Dimension jedoch in anderen Sportarten: Professionelle Golfer spielen selten in nur einem Land. Turniere auf der PGA Tour in den USA, auf der DP World Tour in Europa, im Nahen Osten oder in Asien gehören zum Alltag. Wochen- oder monatelange Aufenthalte außerhalb Europas sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Der Wohnsitz liegt häufig woanders als der Turnierort, Einkünfte entstehen weltweit.
Versicherungstechnisch bedeutet das: permanente Mobilität, medizinische Versorgung im Ausland und Honorarsätze, die mit deutschen Maßstäben wenig zu tun haben. Ohne international belastbare Krankenversicherung wird das schnell teuer.
Ähnlich ist die Situation im Tennis: Ob ambitionierter Nachwuchsprofi auf der Challenger Tour oder etablierter Topspieler wie Alexander Zverev auf der ATP Tour: Tennisprofis wechseln im Zwei-Wochen-Rhythmus Länder und Kontinente.
Hinzu kommt, dass sich der Lebensmittelpunkt im Laufe der Karriere häufig verlagert. Der Wohnsitz ist dann nicht mehr Hamburg oder München, sondern – wie im Fall Zverev – Monaco. Steuerlich nachvollziehbar, sportlich sinnvoll, versicherungstechnisch jedoch hochrelevant. Denn mit einem Wohnsitzwechsel ändern sich Zuständigkeiten, Leistungsansprüche und die Frage, ob bestehende Versicherungen überhaupt fortgeführt werden können.
Fazit: Profisport ist international und deine Beratung muss es auch sein
Wer Profisportler betreut, kann es sich nicht leisten, national zu denken.
Karrieren sind mobil, Risiken grenzüberschreitend und Versicherungslösungen nur dann gut, wenn sie auch außerhalb Deutschlands funktionieren.
Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe: Augen auf, an wen du dich bindest
Titelbild: © Tobias Lommer