Anzug, teure Uhr, dickes Auto: Ein Bild, das auch heute noch viele vor Augen haben, wenn sie an die Versicherungsbranche denken. Ein Blick in den Maklerblog zeigt: Dieses Vorurteil ist längst nicht mehr zeitgemäß. Viele Maklerinnen und Makler sind heute nicht nur äußerlich das ganze Gegenteil, sondern auch substanziell. Sie wollen die Branche revolutionieren: durch Spezialisierung, Kooperation im Netzwerk und hohe Digitalkompetenz. Einer von ihnen ist Michael Pannasch.
Er ist 43 Jahre alt und schon seit gut 17 Jahren in der Branche. Seine Ausbildung hat er bei der Allianz gemacht. Damals suchte er nach Stellenanzeigen und war hin und hergerissen, ob er Altenpfleger werden soll oder Versicherungen verkaufen. Letztendlich hat er sich, auch aus wirtschaftlichen Gründen, für die Versicherungsbranche entschieden und geht einen etwas unkonventionellen Weg.
Du bezeichnest dich selbst als "Insure Rebel" und sagst: Wer einen Anzugträger erwartet, ist bei dir an der falschen Adresse. Aber was genau bedeutet “Rebell” für dich als Versicherungsmakler und wogegen rebellierst du?
Michael: Ich rebelliere vor allem gegen das Spießertum. Es gibt kaum eine Branche, die mehr dafür steht als unsere. Aber ich bin irgendwie das Gegenteil von Anzug und Krawatte. Nicht, weil ich es nicht könnte, sondern weil ich keinen Wert darauf lege. Einer meiner Lieblingssprüche lautet: Je mehr Dinge Sie haben, desto mehr haben die Dinge Sie.
Auch wenn viele immer noch erwarten, dass man mit einem teuren Auto angefahren kommt und einen Anzug trägt, ist es inzwischen auch legitim, Jeans und Hemd zu tragen. Aber das reicht mir nicht: Ich will die Adilette salonfähig machen.
Du legst viel Wert auf Ehrlichkeit und Offenheit und sagst über dich selbst, dass du kein Blatt vor den Mund nimmst. Gibt es Situationen, in denen gute Beratung für dich auch bedeutet, einem Kunden zu widersprechen?
Michael: Ich nehme bei meinen Kunden kein Blatt vor den Mund. Kunde und Berater müssen zusammenpassen. Es muss einfach eine Grundlage an Menschlichkeit gewährleistet werden. Das ist auch etwas, was ich gerne jüngeren Kollegen mitgeben möchte: Mache es nicht, wenn es sich nicht gut anfühlt. Ich verzichte auch mal aufs Geld, wenn es sein muss und der “Bauch nein sagt”.
Welche Versicherungen werden deiner Meinung nach überschätzt?
Michael: Beim Thema Versicherungen ist mir aufgefallen, dass viele Kunden die “Dickschiffe” überschätzen. Viele wollen bei der Allianz oder bei der AXA sein, aber ich kann nicht sagen, dass die besser oder schneller sind als andere. Ich glaube, das wird massiv überschätzt. Ich bin der Meinung, dass die Kleinen genauso gut sind.
Gibt es einen Versicherungsschutz, bei dem du dir immer wieder denkst, dass man über den eigentlich viel öfter sprechen müsste und warum?
Michael: Was für mich gar nicht geht, ist ein fehlender Elementarschutz. Während der Flut im Ahrtal sind die Menschen zu tausenden abgesoffen. Ich versichere keinen Kunden, der keinen Elementarschutz haben will.
Um noch einmal auf den "Insure Rebel" zurückzukommen: Was würdest du in der Versicherungsbranche ändern, wenn du könntest?
Michael: Ich sage nur Flut im Ahrtal:
Wir hören ja immer nur, das hat nicht funktioniert, das hat nicht funktioniert. Dabei funktioniert ja doch so viel.
Ich verstehe nicht, dass nicht besser genutzt wird, was da teilweise geleistet wurde. Was ich damit meine: Mag sein, dass in der Flut auch mal Dinge schiefgelaufen sind. Aber wie viel Multimilliarden Euro ausgeschüttet wurden, darüber spricht dann wieder keiner. Ich glaube, die Versicherungsbranche täte gut, gerade die positiven Beispiele zu zeigen. Dem Image unserer Branche täte das sicher sehr gut.
Michael Pannasch ist ab sofort Fachautor auf dem Maklerblog. Mehr zu ihm und seinen weiteren Beiträgen findest du auf seinem Autorenprofil.
Titelbild: © Michael Pannasch