Ich schaue mir ein Gewerbekonzept immer zuerst als Ganzes an und ich sage gleich vorweg: GewerbeProtect ist kein Neuling. Die Gothaer GewerbeProtect, ist seit Jahren im Markt etabliert und vielen Vermittlern ein fester Begriff. Was Ende März 2026 kommt, ist also kein Start bei null, sondern der Relaunch eines bekannten, gut bewerteten Konzepts unter der neuen Marke BarmeniaGothaer.
Genau deshalb interessiert mich hier weniger die Grundsubstanz, die ist bekannt und solide, als die Frage: Was ist an „GewerbeProtect 2026" wirklich neu, und trägt es?
Das Herzstück der Reform ist eine deutlich einfachere und günstigere Cyberversicherung. Dazu kommen neue Deckungen für moderne Betriebsrisiken wie Serviceroboter und Gebäudetechnik sowie einige gezielte Verbesserungen quer durch die Sparten. Handelt es sich um echte Neuerungen oder schließt der Anbieter vor allem Lücken zum Marktstandard und verpackt sie neu? Genau das sehe ich mir in diesem Tarifcheck an.
Ein bekannter Tarif unter neuer Flagge
Hinter GewerbeProtect steht die BarmeniaGothaer, entstanden aus dem Zusammenschluss von Barmenia und Gothaer. Für die Beratung wichtig: Träger des Risikos bleibt in den Gewerbesparten die Gothaer Allgemeine Versicherung AG. Vieles läuft unter der neuen Marke, die eigentliche Leistung kommt aber weiterhin aus dem klassischen Gothaer-Geschäft. Und der Tarif bringt eine Historie mit: gute Ratings von Häusern wie Franke & Bornberg und eXulting, eingespielte Abläufe und Bekanntheit im Vermittlermarkt. Das ist kein kleiner Vorteil. Wer den Tarif anbietet, verkauft kein unbeschriebenes Blatt, sondern ein eingeführtes Konzept mit Spurbreite: das nimmt in der Beratung von vornherein Unsicherheit heraus. Die Gruppe betreut nach eigenen Angaben rund acht Millionen Kunden und zählt sich zu den zehn größten Versicherern Deutschlands; um Bestand und grundsätzliche Leistungsfähigkeit muss man sich hier also keine Sorgen machen.
Warum es den Relaunch gibt, sagt der Anbieter selbst ganz offen: Die Cyberversicherung im Gewerbegeschäft soll künftig „so selbstverständlich wie die Betriebshaftpflicht" werden. Dieser Grundgedanke zieht sich durch die ganze Reform: einfacherer Zugang, weniger Hürden, ein Produkt, das man dem normalen Gewerbekunden ohne lange Prüfung anbieten kann. Ergänzt wird das um zwei neue Deckungen (Serviceroboter, Gebäudetechnik), einige Verbesserungen in den Sparten, rund 350 zusätzliche Berufsbilder im Stichwortverzeichnis und zwei neue Selbstbeteiligungsstufen von 2.500 und 5.000 Euro. Klingt in Teilen unspektakulär, entscheidet im Alltag aber oft darüber, ob ein Betrieb sauber zugeordnet und passgenau abgesichert wird.
Das Gesamtbild: ein Baukasten aus zwölf Bausteinen
So neu die einzelnen Deckungen sind, der eigentliche Charakter von GewerbeProtect liegt im Aufbau. Der Tarif ist ein Baukasten aus zwölf rechtlich eigenständigen Bausteinen, von der Betriebs- und Berufshaftpflicht über Inhalt, Gebäude, Elektronik, Maschinen und Photovoltaik bis zu Betriebsschließung, Werkverkehr, Vermögensschadenhaftpflicht, Gruppenunfall und Cyber. Jeder lässt sich einzeln abschließen, ändern oder kündigen oder in einer gemeinsamen Police bündeln, mit gleichen Selbstbeteiligungsstufen und einem einheitlichen Meldeverfahren. Der Anbieter spricht von mehr als zwei Millionen Kombinationsmöglichkeiten. Diese Vielfalt ist ein zweischneidiges Schwert: Sie erlaubt eine sehr genaue Absicherung, verlangt aber eine gut strukturierte Bedarfsanalyse, damit kein Flickenteppich entsteht. Nur Cyber, Vermögensschadenhaftpflicht und Gruppenunfall laufen technisch getrennt im Antragsprozess – ein kleiner Bruch im Ablauf, den man kennen sollte.
Übergreifend gibt es drei Klauseln, die für mich auch Verkaufsargumente sind: die Innovationsklausel, nach der künftige Leistungsverbesserungen automatisch und ohne Mehrbeitrag gelten; die rückwärtige Bedingungsdifferenzdeckung, die Lücken zum Vorvertrag schließt (dazu gleich mehr) und eine Bestandsschutz-Klausel für Kunden, die als Besitzstandsgarantie wirkt. Letztere ist mehr als ein Werbebegriff: Führt im Schadenfall die Regelung des unmittelbaren, gleichartigen Vorvertrags zu einem für den Kunden günstigeren Ergebnis, gilt diese günstigere Regelung: vorausgesetzt, der Schutz läuft lückenlos bei der Gothaer weiter. Der Kunde bekommt also im Schaden das Bessere aus altem und neuem Vertrag.
Diese drei Elemente verhindern genau das, woran Gewerbedeckungen sonst kranken: dass eine Police mit den Jahren still veraltet oder bei einem Wechsel eine Lücke reißt. An den Summengrenzen liest man schließlich ab, für wen der Tarif gebaut ist: Betriebshaftpflicht bis zehn Millionen Euro Umsatz, Gebäude bis zehn Millionen Euro Versicherungssumme, die technischen Sparten sind bei 500.000 Euro gedeckelt. Das ist eine klare Ansage: ein Konzept für kleine und mittlere Betriebe, nicht für Industrie.
Cyber als Herzstück der Reform
Die Cyberversicherung ist der Grund, warum aus einem Update ein Relaunch wurde. Der Zugang wurde spürbar vereinfacht: weniger Risikofragen, schnellere Prüfung, kürzerer Antrag. Angesprochen werden Betriebe, verkammerte Berufe sowie Ärztinnen und Ärzte mit bis zu zehn Millionen Euro Jahresumsatz und einer Versicherungssumme bis 2,5 Millionen Euro. Vor allem aber liegen die Beiträge nach Angaben des Anbieters je nach Risiko rund 20 bis 30 Prozent unter dem bisherigen Niveau.
Das ist der eigentliche Hebel, mit dem Cyber im Kleingewerbe vom Zusatzprodukt zum Selbstläufer werden soll und aus meiner Sicht der wichtigste Schritt des ganzen Relaunchs. Dass gerade kleinere Betriebe hier Nachholbedarf haben, ist kein Geheimnis: Fast die Hälfte aller Unternehmen hat schon einen Angriff erlebt, versichert ist bislang aber nur ein Bruchteil. Genau diese Lücke zwischen Betroffenheit und Absicherung will der Anbieter mit dem niedrigeren Einstieg schließen.
Inhaltlich bleibt die Deckung dabei vollständig: Schutz bei Schäden Dritter und bei eigenen Schäden, Betriebsunterbrechung inklusive Cloud-Ausfall, IT-Forensik und eine 24-Stunden-Soforthilfe ohne Selbstbeteiligung. Über einen PlusBaustein lassen sich wichtige Sublimits um das 2,5-Fache erhöhen, als Erweiterung kommen Cyber-Diebstahl und Cyber-Betrug hinzu. Ein kurzes Praxisbeispiel macht den Nutzen greifbar: Öffnet eine Mitarbeiterin den Anhang einer vermeintlichen Bewerbung und verschlüsselt eine Schadsoftware daraufhin das gesamte System, läuft über die Soforthilfe sofort die Forensik an, die Daten werden wiederhergestellt, und die Kosten der Betriebsunterbrechung werden übernommen. Genau solche Fälle sind heute Alltag, nicht Ausnahme.
Besonders erwähnenswert ist die Vorsorge. Über den Partner Anqa IT-Security gibt es ein halbes Jahr lang kostenlose Schulungen, die Mitarbeitende für Cybergefahren sensibilisieren. Das ist mehr als eine nette Beigabe: Ein großer Teil aller Vorfälle geht auf menschliche Fehler zurück, und wer hier ansetzt, senkt das Schadenrisiko real: ein Argument, das in der Beratung sofort einleuchtet.
Ein Punkt sollte vertrieblich auch Erwähnung finden. Der Anbieter liefert eine Rechenhilfe für die Versicherungssumme, etwa 15 Prozent des Jahresumsatzes für die Betriebsunterbrechung, 50 Euro je Datensatz und zehn Prozent des Umsatzes für Drittschäden. Gerade weil die Deckung jetzt so günstig ist, ist die Versuchung groß, einfach schnell irgendeine Summe in den Antrag zu schreiben. Genau das sollte man nicht tun: Die Versicherungssumme gehört nicht aus dem Bauch gegriffen, sondern über eine saubere Bedarfsermittlung hergeleitet. Die Rechenhilfe ist dafür ein guter Ausgangspunkt, die tatsächliche Lage des Betriebs muss man sich aber im Einzelfall genau ansehen.
Neu für moderne Betriebsrisiken: Roboter und Gebäudetechnik
Zwei Deckungen setzen echte Akzente, weil sie Risiken absichern, die in vielen Bedingungswerken schlicht noch nicht vorkommen. Zum einen die Serviceroboter: Pflege-, Gastronomie- und Assistenzroboter lassen sich neu über die Elektronikversicherung mit einer wählbaren Summe zwischen 3.000 und 20.000 Euro absichern. Das ist kein Massengeschäft, trifft aber genau die Betriebe, die gerade auf diese Technik umstellen: Pflegedienste, Hotels, Gastronomiebetriebe- und deren normaler Elektronikschutz solche Geräte bisher nicht sauber erfasst. Wer solche Kunden betreut, hat hier ein Gesprächsthema, das sonst kaum ein Wettbewerber bietet.
Zum anderen die Gebäudetechnik, die sich über die Gebäudeversicherung bis 500.000 Euro einschließen lässt. Damit reagiert der Anbieter darauf, dass heute immer mehr Wert in der Haustechnik steckt: Wärmepumpen, Lüftungs- und Steuerungstechnik – die in vielen älteren Gebäudekonzepten schlicht unterversichert ist. Beides sind für mich die glaubwürdigsten Neuerungen des Relaunchs, weil sie eine reale Lücke schließen und nicht nur einen Trend bedienen. Es sind genau die Deckungen, die ein Kunde nicht von sich aus nachfragt, weil er das Risiko noch gar nicht auf dem Schirm hat und an denen sich gute Beratung zeigt.
Wichtig zu wissen: Es handelt sich um optionale Erweiterungen, die aktiv gewählt werden müssen – die Serviceroboter etwa als Deckungserweiterung in der Elektronikversicherung gegen Mehrbeitrag. Über die Innovationsklausel fließen sie also nicht automatisch in bestehende Verträge ein; umso mehr liegt es am Vermittler, sie überhaupt aufs Tableau zu bringen. Ein Beispiel: Fällt in einem Pflegeheim ein Assistenzroboter durch einen Bedienfehler aus, greift die entsprechend erweiterte Elektronikdeckung, wo bisher schlicht eine Lücke klaffte. Solche Fälle werden häufiger, je selbstverständlicher diese Geräte im Betrieb werden – und genau darin liegt der vorausschauende Charakter dieser beiden Deckungen.
Was sonst neu ist und was solider Standard bleibt
Über die Schlagzeilen hinaus hat der Anbieter an mehreren Stellen nachgeschärft und die meisten dieser Punkte sind sinnvoll. Geschäfts- und E-Bikes sind jetzt eingeschlossen, auch bei privater Nutzung und im Ausland, ein Thema, das mit der Zahl der Diensträder spürbar an Bedeutung gewinnt. Die Vermögensschadenhaftpflicht für Rechtsanwälte und Steuerberater wurde überarbeitet und die Vermögensschadenhaftpflicht für Immobiliardarlehensvermittler um eine optionale Deckung für Darlehensvermittlung außerhalb Immobilien ergänzt.
Die Betriebshaftpflicht wurde in der Leistungsqualität verbessert. Und die Photovoltaik-Ertragsausfalldeckung bekommt eine einheitliche Haftzeit von zwölf Monaten, was die Beratung vereinfacht. Das sind gute, aber überschaubare Feinarbeiten: kein Grund für große Schlagzeilen, aber genau die Art von Pflege, die einen Tarif aktuell hält.
Zu diesen Verbesserungen passt, dass GewerbeProtect gerade für spezielle Berufsgruppen einiges mitbringt. Die Vermögensschadenhaftpflicht deckt Berufe mit erhöhter Haftung – von Rechtsanwälten und Steuerberatern über die Immobilienbranche bis zu Vereinen – mit Summen bis zu einer Million Euro, und die neue Option für Immobiliardarlehensvermittler trifft einen Bereich, in dem viele Vermittler bisher separat einkaufen mussten. Die Gruppenunfallversicherung wiederum kommt ohne Gesundheitsprüfung aus und deckt bis zu 250 Personen. Beides sind keine Massenbausteine, machen den Baukasten aber für die Absicherung ganzer Belegschaften und für Vereinskunden interessant.
Die Grundsubstanz selbst muss man nicht neu bewerten: sie war stark und bleibt es. Die Betriebshaftpflicht bietet fünf oder zehn Millionen Euro pauschal mit weitgehendem Verzicht auf Sublimits, integrierter Umweltdeckung und einer auf 20 Prozent begrenzten Leistungskürzung bei grober Fahrlässigkeit. Grobe Fahrlässigkeit ist auch quer durch die Sachsparten mitversichert, der Unterversicherungsverzicht läuft über die eingebaute Wertermittlung, und für finanzierte Maschinen gibt es eine praktische GAP-Deckung. All das ist gut – entspricht aber dem, was leistungsstarke Konzepte heute ohnehin bieten. Auch die Nachhaltigkeitsbausteine, etwa Mehrkosten für „Reparatur statt Austausch" oder für ökologische Maßnahmen im Schadenfall, gehören inzwischen zum guten Ton und sind eher konsequent nachgezogen als wirklich neu. Kurz gesagt: Die Basis ist marktüblich stark, die Musik spielt bei den Neuerungen.
Schnelle Abläufe: der unterschätzte Vorteil
Ein Punkt, der in der Diskussion um Leistungen oft untergeht, ist der Prozess.
GewerbeProtect setzt auf digitale Prüfung, direkte Annahmeentscheidung und echte Dunkelverarbeitung. Der Rechner sucht die Tätigkeit nach ihrem Klang, zeigt über einen Beitragsticker sofort, wie sich Ein- und Ausschlüsse auf den Preis auswirken, und erzeugt die Beratungsdokumentation automatisch. Besonders praktisch finde ich das eingebaute Wertermittlungsprogramm, weil es den Unterversicherungsverzicht trägt. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die digitale Abwicklung heute zwar nicht mehr: dafür ist die Konkurrenz im KMU-Geschäft zu weit gekommen, aber sie spart im Alltag echte Zeit, und die steckt man besser in die Beratung als in Papier. Für größere Vertriebseinheiten sind zudem Rahmenvereinbarungen möglich, und das GewerbeProtect Cockpit bündelt die Verkaufshilfen an einer Stelle. Gerade wer viele gleichartige Gewerbekunden betreut, spart hier spürbar Bearbeitungszeit: ein Vorteil, der sich in der Fläche schnell summiert.
Kurz erklärt: warum eine Multirisk-Police gerade Handwerkern hilft
Gerade Handwerksbetriebe tragen viele Risiken gleichzeitig: Sie haften für Schäden bei ihren Kunden, sie haben Werkstatt und Waren, teure Maschinen und Werkzeuge: mal fest im Betrieb, mal auf der Baustelle oder im Transporter, dazu Elektronik und zunehmend Cyber. Verteilt man das auf mehrere Einzelpolicen bei verschiedenen Gesellschaften, entstehen die Probleme genau an den Nahtstellen: dort, wo eine Police aufhört und die nächste anfangen müsste.
Ein einfaches Beispiel: Wird eine Maschine beschädigt, ist schnell die Frage, welche Police zahlt: die Inhalts-, die Maschinen- oder die Werkverkehrsversicherung. Sind das drei Verträge bei drei Versicherern, schieben sich im Zweifel drei Häuser die Zuständigkeit zu, und der Kunde steht dazwischen. Liegen dieselben Bausteine dagegen in einer Multirisk-Police wie GewerbeProtect, mit einem gemeinsamen Bedingungspaket, einer Selbstbeteiligung und einem Meldeverfahren beim selben Risikoträger, ist die Zuständigkeit von vornherein geklärt.
Genau darin liegt der eigentliche Wert des Baukastens und zwar nicht im Sammelrabatt. Ein Vertrag lässt sich bei jeder Veränderung im Betrieb leichter vollständig und aktuell halten als fünf. Und je weniger Policen ein Risiko aufteilen, desto weniger Nahtstellen gibt es, an denen eine Lücke oder ein Vermittlerfehler unbemerkt durchrutscht. Ein Selbstläufer ist auch das nicht: die Bausteine müssen zum tatsächlichen Betrieb passen und sauber aufeinander abgestimmt sein, aber die Arbeit findet an einer Stelle statt.
Wie schlägt sich GewerbeProtect 2026 im Marktvergleich?
Ordne ich die Neuerungen in den Markt ein, ergibt sich ein rundes Bild. Vieles, was der Tarif kann, gehört heute zum guten Standard: grobe Fahrlässigkeit, Update-Garantie, Unterversicherungsverzicht, Bedingungsdifferenzdeckung und Nachhaltigkeitsbausteine. Hier spielt GewerbeProtect sauber auf Augenhöhe mit den führenden Konzepten: ein solides Fundament, auf dem die eigentlichen Neuerungen aufsetzen.
Darüber hinaus setzt der Tarif an klar benennbaren Stellen eigene Akzente. Die Serviceroboter sind am Markt noch selten, die Gebäudetechnik-Deckung schließt eine echte Lücke und die Cyber-Reform mit einfacherem Zugang, deutlichem Beitragsvorteil und ernst gemeinter Vorsorge verschafft dem Anbieter im Kleingewerbe einen spürbaren Vorsprung, gerade gegenüber Paketen, in denen Cyber gar nicht oder nur als teures Anhängsel vorkommt. Das sind für mich die Punkte, mit denen GewerbeProtect wirklich überzeugt.
Damit lässt sich die Frage aus der Einleitung beantworten: Der Relaunch ist eine gelungene Mischung. Ein Teil der Neuerungen, die Nachhaltigkeits- und Digitalthemen, bringt den Tarif auf die Höhe der Zeit. Ein anderer Teil – Roboter, Gebäudetechnik und vor allem die konsequent vereinfachte Cyberdeckung – geht darüber hinaus und ist echte Weiterentwicklung. Wer beide Ebenen in der Beratung ehrlich benennt, schafft Vertrauen und stellt die Stärken zugleich ins richtige Licht.
Genauso fair ist es, die bewusst gesetzten Grenzen zu nennen. Cyber ist bei 2,5 Millionen Euro Summe und zehn Millionen Euro Umsatz angesiedelt, die technischen Sparten bei je 500.000 Euro, klar auf kleine und mittlere Betriebe zugeschnitten. Einen eigenen D&O-Baustein für Kapitalgesellschaften gibt es nicht; die D&O-nahe Lösung steckt in der Vermögensschadenhaftpflicht für Vereine, und der Rechtsschutz kommt über die Zusammenarbeit mit ROLAND. Das ist kein Versäumnis, sondern eine klare Positionierung: GewerbeProtect will das standardisierbare KMU-Geschäft mit guten Abläufen bestmöglich bedienen und das gelingt überzeugend. Nur beim wachsenden Betrieb an der oberen Grenze lohnt der rechtzeitige Blick, ob der Tarif noch passt.
Was aus Maklersicht zählt
Für die tägliche Beratung ist GewerbeProtect vor allem ein Türöffner, um mehrere Sparten in einer Police zusammenzuführen, Cyber als günstiger, einfacher Einstieg, von dem aus sich das Gesamtkonzept ins Gespräch bringen lässt. Das stärkste Argument bleibt für mich die rückwärtige Bedingungsdifferenzdeckung: Sie erlaubt es, Bestände umzudecken, ohne eine Deckungslücke zum Vorvertrag zu riskieren – zusammen mit der Innovationsklausel ein doppelter Schutz gegen das Altern der Deckung, und zugleich eine Entlastung bei der eigenen Haftung. Zusätzlich gibt die Besitzstands-Klausel weitere Sicherheit: Der Wechsel stellt sie im Schaden nie schlechter als ihr alter Vertrag: ein Argument, das eine Umdeckung spürbar leichter macht.
Aus der Fülle der Kombinationen folgt allerdings eine höhere Pflicht zur Dokumentation: Wer welche Bausteine aus- oder abgewählt hat, muss nachvollziehbar begründet sein. Einen Punkt sollte man außerdem aktiv ansprechen: die Cyber-Summe, die trotz günstigem Beitrag sauber ermittelt gehört. In der Zielgruppe ist der Tarif breit einsetzbar: Handwerk und Bau, Heilberufe und Praxen, Hotellerie und Gastronomie, Vereine, Immobilienverwalter und beratende Berufe finden hier passende Bausteine. Ebenso lohnt sich ein früher Blick auf den 500.000-Euro-Rahmen bei Elektronik, Maschinen und Photovoltaik: Bei wachsenden Betrieben behält man die Summe besser im Auge und zieht sie regelmäßig nach.
Bei Ausschreibungen spielt der Tarif seine Stärke im standardisierbaren KMU-Segment und bei Kunden aus, die gern digital abschließen, bei sehr individuellen oder industriellen Risiken greift man sinnvollerweise zu spezialisierten Lösungen. Im Bestand ist er dank Bedingungsdifferenzdeckung ein überzeugendes Angebot zur Umdeckung, im Neugeschäft ein solider, schnell handhabbarer Allrounder. Wer die Grenzen kennt und offen anspricht, hat mit GewerbeProtect ein starkes Werkzeug für den Mittelstand.
Für die Praxis heißt das: Der Tarif nimmt einem viel Routinearbeit ab, ersetzt aber nicht die fachliche Einordnung. Die eigentliche Leistung von uns Maklern liegt genau dort, wo der Baukasten Spielraum lässt, bei der sauberen Bedarfsanalyse, der richtigen Summe und der ehrlichen Ansage, was der Tarif leistet und was nicht.
Stärken und Schwächen im Überblick
Stärken
- Etablierter, gut bewerteter Tarif mit bekanntem Namen und solider Grundsubstanz
- Cyber als Herzstück: einfacherer Zugang, 20 bis 30 Prozent günstiger und eine ernst gemeinte Vorsorge über Anqa IT-Security
- Echte inhaltliche Neuerungen durch die Deckung von Servicerobotern und Gebäudetechnik
- Rückwärtige Bedingungsdifferenzdeckung und Innovationsklausel: starke Argumente für Umdeckung, die zugleich die Haftung entlasten; Besitzstandsgarantie
- Multirisk-Ansatz mit weniger Nahtstellen und damit weniger Raum für Vermittlerfehler
Schwächen
- Klarer KMU-Zuschnitt: Cyber und technische Sparten gedeckelt, für größere Mittelständler und Industrie zu knapp
- Getrennte Rechnerstrecke für Cyber, Vermögensschadenhaftpflicht und Gruppenunfall
- Nachhaltigkeits- und Digitalthemen überwiegend solide nachgezogen, nicht marktprägend
- Kein eigener D&O-Baustein, Rechtsschutz nur über die Zusammenarbeit mit ROLAND
Mein Fazit
GewerbeProtect 2026 ist mehr als eine kosmetische Auffrischung, aber weniger als eine Revolution und das meine ich positiv.
Die Stärke liegt gerade darin, dass hier kein neues Produkt aus dem Nichts entsteht, sondern ein bekannter, gut eingeführter Tarif gezielt dort weiterentwickelt wird, wo es zählt: bei einem einfachen, günstigen Cyber-Zugang und bei zwei neuen Deckungen für Roboter und Gebäudetechnik, die eine echte Lücke schließen. Der Rest ist solide gepflegte Substanz auf dem Niveau der führenden Konzepte.
Für wen eignet sich der Tarif? Für kleine und mittlere Betriebe, für Handwerk, Gastgewerbe, Praxen und verkammerte Berufe, für das klassische Mittelstandsgeschäft, das sich einfach und digital abwickeln lässt. Besonders interessant finde ich ihn bei der Umdeckung alternder Bestände und überall dort, wo ein verteiltes Risiko sauber unter einem Policendach gehört, statt es über mehrere Verträge mit ihren Nahtstellen zu streuen. Seine Grenzen liegen ebenso klar auf der Hand: bei sehr hohen, individuellen oder industriellen Risiken, bei denen die Deckel greifen. Und wo es an eingebauten Bausteinen wie D&O oder Rechtsschutz fehlt, muss man weiterhin ergänzen – planbar, aber eben ein zusätzlicher Schritt.
Unter dem Strich ist GewerbeProtect 2026 für mich ein überdurchschnittliches Konzept mit klarem Fokus: bekannter Name, solide Basis, an den richtigen Stellen modernisiert. Wie sich der Tarif im Alltag bewährt, zeigt sich – wie bei jedem Konzept – vor allem in der Schadenregulierung und der laufenden Betreuung; die Voraussetzungen dafür bringt er mit. Für die allermeisten Mittelstandskunden ist die Mischung genau richtig, und auf meiner Auswahlliste im KMU-Segment steht der Tarif ab sofort.
Titelbild: © Nadine Romming