Deutschland hat wieder eine Idee. Genauer: abgeschaut im Ausland, aber immerhin eine gute Idee!
Genannt „Frühstarterrente“. Worum geht’s? Der Staat will alle Kinder fördern, mit 10 Euro monatlich. Da hatte man noch jährlich rund eine Milliarde Euro, budgetiert im schwarz-roten Koalitionsvertrag.
Und jetzt sind‘s nur noch läppische 50 Millionen Euro. Jetzt will der Staat aber einsparen – also lässt man halt nicht alle Kinder früher starten. Sondern nur diejenigen, die im richtigen Jahr geboren sind.
Am 14. November 2025 erklärt also unser Bundeskanzler, man wolle nun endlich einen Impuls für Kinder setzen: 10 Euro pro Kind. Pro Monat. Von 0 bis 18. Aber nur für die Sechsjährigen.
Und für einen Moment fühlte ich mich wie in Israel, Frankreich, UK oder Kanada – dort, wo der Staat nicht nur Ideen hat, sondern sie manchmal sogar zu Ende denkt. Aber bevor ich mich zu sehr freute, holte mich der entscheidende Satz: „Nur für die Sechsjährigen.“ auf den Boden der Realität zurück.
Nun könnte man meinen, es handle sich um ein Missverständnis, ein falsch gesetztes Komma oder einen Tippfehler im Entwurf. Leider nein. Es ist Absicht. Und damit gehört mein Sohn Lui, geboren am 4. November 2019, offiziell zu den Menschen, die zu alt für die staatliche Vernunft sind. Ein Kind im besten Alter, aber politisch bereits unverwertbar.
Paul Watzlawick würde sagen: Wenn Sie unbedingt unglücklich sein wollen, vergleichen Sie Ihr Kind mit einem anderen, das nur zufällig, sagen wir 216 Tage später geboren wurde. Zack, Bauchweh garantiert!
Natürlich verstehe ich die Logik: Das Budget reicht nicht.
Eine Milliarde ist nicht mehr drin, also nimmt man 50 Millionen – und macht eine Grenze, die genauso wissenschaftlich basiert ist wie die Entscheidung, ab welchem Alter Kinder „zu groß“ für Hüpfburgen sind.
Ich frage mich nur: Warum gerade die Sechsjährigen? Hat Merz möglicherweise einen Enkel in genau diesem Alter? Gut, der Gedanke ist unfair. Lassen wir ihn stehen.
Als Makler kenne ich das Thema Kindervorsorge seit Jahren. Ich habe darüber meine Bachelorarbeit auf der Hochschule Kaiserslautern geschrieben und dort ideal ausgearbeitet Kinder von Geburt an mit einem lebensbegleitenden Fondssparplan auszustatten. Es gibt längst Versicherungsmodelle, die das brillant lösen: flexibel, transparent, teils sogar mit BU-Option. Ein System, das jedem Kind zugutekäme – nicht nur einer politisch ausgewählten Jahrgangskohorte.
Und ja, die Statistik zeigt: 77 Prozent der staatlichen Kinderdepots werden mit 18 nicht aufgelöst, sondern weiter bespart, zumindest in Großbritannien. Warum? Weil Zeit ein besserer Vermögensberater ist als jeder Mensch. Einstein nannte den Zinseszins das größte Wunder des Universums – und wer wäre ich, ihm zu widersprechen?
Als Vater jedoch spüre ich diese Mischung aus Ironie und Enttäuschung: Mein Kind ist ein Jahr zu alt, damit ein Gesetz, das Zukunft fördern soll, auf ihn nicht zutrifft. Herzlichen Glückwunsch: Du gehörst zu den Frühverlierern der Frühstarterrente.
Aber nicht mit mir!
Hier kommt Superpapa, der nüchterne Makler: Es spielt keine Rolle, was der Staat gibt oder nicht gibt. Eltern, die langfristig denken, sparen ohnehin. Und das immer mehr mit „sinnvollen Motoren“, aka Wertpapiere, weltweit breit gestreut.
Und meine Erfahrung zeigt: Kindersparpläne werden immer durchgezogen. Wenn Eltern bei sich selbst kürzen, bleibt für ihr Kind die Sparrate unangetastet. Jordan Peterson formulierte es anders, aber treffend: Für andere übernehmen wir Verantwortung konsequenter als für uns selbst.
Also, liebe Eltern:
Wartet nicht darauf, ob die Regierung eure Kinder mag – oder nur die im passenden Geburtsjahr. Sorgt selbst vor. Packt finanzielle Energie in eure Kinder, nicht in euer Bauchgefühl. Wertpapiere sind nichts anderes als konservierte Zukunft.
Und an Herrn Merz hätte ich nur eine Bitte: Wenn Sie schon einen Sturm der Hoffnung entfachen, dann nehmen Sie doch gleich alle Kinder mit auf die Reise. Denn auf hoher See ist es nie klug, nur die Sechsjährigen an Bord zu lassen.
Hey Bundestag, jetzt auch schnell beschließen, nicht das noch weitere Kriterien hinzukommen: Sechsjährige mit roten Luftballons und gelben Gummistiefeln….
...ach, da freuen sich eh nur Clowns in der Kanalisation.
Zu Le Bonmot #2: Freiwilliges Pflichtnachsitzen mit Kapitalwahlrecht
Titelbild: © Lisa Brunner
Danke! Es war mir, wie immer, eine Ehre!