Nelli Schatilov hat sich auf die Beratung von Frauen und Familien spezialisiert, die Klarheit in ihren Finanzen wollen. Dass sie heute Maklerin ist, war kein gerader Weg: Mit 20 Jahren zum ersten Mal alleine wohnend, einem Wirtschaftswissenschaftsstudium mit VWL-Schwerpunkt und einem Traineeprogramm bei einem Finanzdienstleister hat sie sich Schritt für Schritt in die Branche vorgearbeitet.
Ihre Herzensthemen sind ETFs, Fonds, private Altersvorsorge und sinnvolle Versicherungen. Diese Themen erklärt sie so, dass Kundinnen am Ende wirklich verstehen, wofür sie sich entscheiden. Ihr Ziel: dass sich ihre Kundinnen finanziell frei fühlen, ohne dafür ihr Leben einschränken zu müssen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum Frauen das Thema Finanzen so oft vor sich herschieben und was sich ändert, wenn sie den ersten Schritt machen.
Maklerblog-Redaktion: Nelli, mit 20 Jahren hast du zum ersten Mal alleine gewohnt und schnell gemerkt, dass dir vor allem eins fehlt: Wissen über Geld, Versicherung und Sparen. Was hat dich damals dazu gebracht, dich ernsthaft mit diesen Themen zu beschäftigen?
Nelli: Ich habe sehr pragmatisch angefangen. Ich habe einfach aufgeschrieben, was ich jeden Monat ausgebe und was übrig bleibt. Das hat mir das Gefühl von Kontrolle zurückgegeben, das ich vorher nie gebraucht hatte, weil sich meine Eltern mehr oder weniger um alles gekümmert haben.
Was mich überrascht hat: Die kleinen Alltagsausgaben, ein Kaffee hier, ein Getränk in der Mensa da, summierten sich am Ende des Monats auf 60, 70 Euro. Im Studium ist das viel Geld. Das war der erste Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich bewusster mit Geld umgehen muss.
Kurz darauf hat mich eine Kommilitonin zu einem Finanzseminar mitgenommen. Da ging es um Investieren, um Grundlagen der persönlichen Finanzen und ich habe gemerkt, wie wenig ich eigentlich weiß. Gleichzeitig hatte ich schon seit dem Abitur das Gefühl, ich möchte irgendwas mit Finanzen machen. Dann kam ein weiteres Seminar, dann ein Finanzdienstleister, bei dem ich mich spontan beworben habe und dann bin ich nach München gezogen, anstatt den geplanten Master in Frankfurt zu machen. Irgendwie hat sich ein Puzzlestück ans nächste gefügt.
Maklerblog-Redaktion: Du hast dich darauf spezialisiert, vor allem Frauen zu begleiten. Warum tun sich so viele Frauen schwer damit, das Thema Finanzen anzugehen?
Nelli: Ich erlebe in der Beratung immer wieder dieselben Muster. Das eine ist: „Darum kümmert sich mein Mann.“ Viele Frauen haben das aus ihrer Familie mitbekommen, dass Finanzen Sache des Mannes sind, und übernehmen das einfach so. Das andere ist das klassische Aufschieben: „Darum kümmere ich mich später.“ Aktuell ist Karriere wichtiger, oder Familie, oder Hobbys. Viele denken dann: Ich habe doch noch 35 Jahre vor mir.
Ich kenne das selbst. Ich bin auch jemand, der sich zuerst um alle anderen kümmert und sich selbst dabei hinten anstellt. Aber irgendwann kommt die Erkenntnis: Auch ich bin wichtig. Das ist eigentlich der entscheidende Moment. Nicht das Wissen über ETFs oder Versicherungen, sondern die Erkenntnis, dass man für sich selbst vorsorgen muss. Und dass man das auch kann. Denn wenn man sich auf jemand anderen verlässt und dann irgendwann ein Schicksalsschlag kommt, eine Trennung oder ein Todesfall, steht man da und weiß nicht einmal, was man eigentlich hat. Das ist das Allerschlimmste.
Maklerblog-Redaktion: Dein Lieblingsmoment ist, wenn Kundinnen sagen: „Das habe ich jetzt zum ersten Mal verstanden.“ Was erklärst du am häufigsten und warum wird es so selten wirklich erklärt?
Nelli: Am liebsten erkläre ich die ETF-Rentenversicherung und dafür nutze ich das Hotdog-Prinzip. Das Würstchen in der Mitte ist das Depot: Da wird Geld eingezahlt, investiert, Kapital aufgebaut. Man kann das Depot einfach so nutzen, nur das Würstchen essen, sozusagen. Oder man entscheidet sich für einen Hotdog und legt ein Brötchen drum herum, einen Versicherungsmantel, der steuerliche Vorteile bringt oder das Langlebigkeitsrisiko absichert. Und dann gibt es noch die Zutaten: Welche ETFs möchte ich? Will ich eine Beitragsbefreiung bei BU integrieren? Das ist individuell, wie die Wahl zwischen Zwiebeln, Ketchup oder Senf.
Wenn ich das so erkläre, verstehen meine Kundinnen es sofort. Der Grund, warum es sonst so selten verstanden wird: Entweder werden Fachbegriffe benutzt, die niemand wirklich kennt, Ertragsanteilbesteuerung, Langlebigkeitsrisiko, oder man hat online etwas darüber überflogen, aber nie wirklich verinnerlicht. Mit einem konkreten Bild geht das viel einfacher. Und außerdem: Finanzen können trocken sein. Wenn man mit Bildern arbeitet, wird es angenehmer. Und wenn man es nicht alleine macht, macht es sogar Spaß.
Maklerblog-Redaktion: ETFs und private Altersvorsorge sind deine Herzensthemen. Welcher Irrglaube über das Investieren begegnet dir dabei am häufigsten?
Nelli: Dass man täglich ins Depot schauen und sofort reagieren muss, wenn irgendwo eine Wirtschaftsmeldung auftaucht. Viele Kundinnen kommen mit einer Nachricht oder einem Reel, das sie gesehen haben, und fragen: Muss ich jetzt etwas ändern? Das Missverständnis dahinter: Sie verwechseln ETF-Investieren mit Day-Trading. Beim Day-Trading schaut man jeden Tag rein, kauft und verkauft. Ein ETF-Depot funktioniert anders, es ist langfristig angelegt und braucht keine tägliche Aufmerksamkeit.
Dazu kommt noch etwas: Viele möchten das Gefühl von Kontrolle behalten. Wenn sie nicht regelmäßig eingreifen, fühlt es sich an, als würden sie Kontrolle abgeben. Das ist ungewohnt. Hier hilft es, Vertrauen aufzubauen und zu verstehen, dass ruhiges, rationales Liegenlassen oft die bessere Entscheidung ist als emotionales Reagieren.
Maklerblog-Redaktion: Was würdest du einer Frau Anfang dreißig raten, die weiß, dass sie mehr für ihre finanzielle Absicherung tun sollte, aber nicht weiß, wo sie anfangen soll?
Nelli: Drei Worte: Lass dich beraten. Nicht weil man es nicht selbst herausfinden könnte, es gibt gute Podcasts und Bücher dazu. Aber wenn man allein loslegt, kann die Informationsflut so überwältigend sein, dass man am Ende gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
In einer Beratung schaut man gemeinsam: Wo stehst du gerade? Was sind deine Ziele? Hauskauf, Altersvorsorge, Familie? Was lässt sich optimieren? Und dann wird priorisiert. Individuell, nicht nach Schema F. Der größte Vorteil ist aber oft ein anderer: Man hat angefangen. Man hat den ersten Schritt gemacht und den Ball ins Rollen gebracht. Genau das ist für viele Frauen der entscheidende Moment.
Nelli Schatilov ist ab sofort Fachautorin auf dem Maklerblog. Mehr zu ihr und ihren weiteren Beiträgen findest du auf ihrem Autorenprofil.