Sollte ich überhaupt in die PKV wechseln, wenn ich Kinder plane? Wie leiste ich mir die Beiträge in der Elternzeit? Was passiert, wenn das Kind krank zur Welt kommt? Diese Fragen kennen Maklerinnen und Makler aus Beratungsgesprächen zur Genüge. Die Sorge vor dem finanziellen Risiko sitzt tief, insbesondere bei Selbstständigen ohne Arbeitgeber im Rücken. Viele Kundinnen und Kunden denken: In der GKV würde ich bei weniger Einkommen auch weniger zahlen, in der PKV läuft der Beitrag einfach weiter.
Doch genau hier liegt das Missverständnis. Moderne PKV-Tarife haben sich in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt und bieten heute genau die Sicherheiten, die Selbstständige mit Familienwunsch brauchen. Als Maklerinnen und Makler haben wir die Aufgabe, diese Entwicklung in die Beratung zu tragen. Denn die PKV ist längst kein Risiko mehr, sondern das planbarere Modell.
Die vier Säulen der Familienfreundlichkeit
Die PKV hat ihre Hausaufgaben gemacht. Familienfreundliche Tarife sind heute Standard bei den meisten Anbietern und genau diese Tarifmerkmale sollten Maklerinnen und Makler in der Beratung herausstellen:
- Beitragsbefreiung für Neugeborene: Einige Tarife sind im Geburtsmonat plus weitere sechs Monate komplett beitragsfrei. Das schafft finanzielle Luft in der ersten Zeit mit Kind.
- Beitragsbefreiung in der Elternzeit: Bis zu sechs Monate pro Kind, unabhängig vom Elterngeldbezug. Besonders wichtig seit April 2025, als die Einkommensgrenze für Elterngeld auf 175.000 Euro herabgesetzt wurde. Viele gut verdienende Selbstständige fallen seitdem aus dem Elterngeld heraus, haben aber trotzdem Anspruch auf die Beitragsbefreiung.
Die 2025er Regelung als Gamechanger
Diese Unabhängigkeit vom Elterngeldbezug ist entscheidend: Immer mehr PKV-Tarife hatten die Beitragsbefreiung an den gleichzeitigen Bezug von Elterngeld gekoppelt. Das Problem: Wenn beide Elternteile gut verdienen und die 175.000 Euro Jahresgrenze überschreiten, bekommen sie kein Elterngeld und gingen bei diesen Tarifen auch bei der Beitragsbefreiung leer aus.
- Nachversicherungsgarantie ohne Gesundheitsprüfung: Das Kind wird ab Geburt ohne Risikoprüfung aufgenommen, unabhängig vom Gesundheitszustand. Egal, ob das Kind gesund oder mit einer Vorerkrankung zur Welt kommt, der Versicherungsschutz greift sofort.
- Krankentagegeld bei krankem Kind: Bis zu 15 Tage Krankentagegeld pro Kind und Jahr. Für Selbstständige ohne bezahlten Krankenstand eine existenzielle Absicherung, die in der GKV so nicht existiert.
Hinzu kommen umfassende Schwangerschafts- und Geburtsleistungen: Rooming-in, Familienzimmer, Geburtsvorbereitung auch für den Partner oder die Partnerin, Rückbildungsgymnastik. Leistungen, die in der GKV entweder gar nicht oder nur als Zusatzoption verfügbar sind. Und für Selbstständige besonders relevant: 100 Prozent Erstattung für medizinische Reha-Maßnahmen, unabhängig vom Krankenhausaufenthalt. Denn jeder Tag Ausfall kostet Umsatz.
Die Planbarkeitsrechnung
Früher hieß es: Die PKV kann man sich im Alter nicht leisten. Heute sollten wir die Frage anders stellen: Können sich Selbstständige die GKV überhaupt noch leisten? Denn während die PKV-Beiträge kalkulierbar bleiben und durch Alterungsrückstellungen langfristig planbar sind, steigen die GKV-Beiträge Jahr für Jahr. Die Beitragsbemessungsgrenze wird jährlich erhöht, Leistungen können jederzeit gekürzt werden. Das System ist unberechenbar geworden.
Was Planbarkeit konkret bedeutet:
PKV-Kindertarife sind extrem kalkulierbar. Kinder haben im Durchschnitt deutlich niedrigere Behandlungskosten, das bedeutet kaum Beitragssteigerungen, lange Beitragsstabilität, geringes Tarifrisiko. Kinder und Erwachsene sind getrennt kalkuliert, haben unterschiedliche Risikogruppen. Ein Kind kann bereits für 100-120 Euro monatlich im gewünschten Leistungsumfang vollständig abgesichert sein – ohne Zusatzversicherungen.
In der GKV dagegen: Die Beitragsbemessungsgrenze wird jedes Jahr erhöht. Selbstständige im Höchstsatz zahlen bereits jetzt den maximalen Beitrag und wissen trotzdem, dass es nächstes Jahr noch teurer wird. Kinder sind angeblich kostenlos, aber die Eltern zahlen jedes Jahr viel, viel mehr.
Für Maklerinnen und Makler ist das die zentrale Botschaft: Die PKV bietet heute mehr Planbarkeit als die GKV. Ein Selbstständiger in der PKV weiß exakt, welche Beiträge auf ihn zukommen: mit Kind, mit zwei Kindern, in der Elternzeit. Er kann diese Kosten in seine Liquiditätsplanung einbauen und strategisch vorsorgen. In der GKV zahlt er im Höchstsatz 2026 bis zu 1.261 Euro monatlich – und das ist nur der Anfang.
Denn wer seine Kinder bestmöglich absichern will, braucht Zusatzversicherungen: Zahnzusatz für Kieferorthopädie, Krankenhauszusatz für Chefarztbehandlung und Einbettzimmer, eventuell Heilpraktiker-Zusatz. Zusammen können das schnell weitere 100-200 Euro pro Monat und Kind sein. Bei ein bis zwei Kindern ist der PKV-Kinderbeitrag oft vergleichbar mit dem GKV-Höchstsatz plus Zusatzversicherungen, nur dass die Leistungen in der PKV von Anfang an im Tarif enthalten sind, ohne Gesundheitsprüfung beim Kind und ohne dass Leistungen plötzlich gestrichen werden können.
Durchrechnen statt Vorurteile bedienen
Wie sprechen Maklerinnen und Makler das Thema Familienplanung aktiv an, ohne aufdringlich zu wirken? Die aktuellen Nachrichten liefern den perfekten Einstieg: Beitragserhöhungen in der GKV, Leistungskürzungen, steigende Höchstsätze. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern konkrete Alltagsbelastungen für Kundinnen und Kunden. Wer hier mit Szenarien arbeitet, schafft Klarheit:
- Was kostet die PKV nur für das Paar?
- Was mit einem Kind?
- Was mit zwei Kindern?
- Wie lange greift die Beitragsbefreiung?
- Welche Rücklagen sollten für die Elternzeit gebildet werden?
Diese Durchrechnung nimmt den Druck aus dem Thema. Sie zeigt:
Familienplanung in der PKV ist kein Risiko mehr, sondern ein planbares Investment in Gesundheit und Sicherheit.
Und sie eröffnet die Gelegenheit für Cross-Selling: Wer die PKV-Beiträge strategisch plant, denkt auch über Altersvorsorge nach. Wer heute ein paar hundert Euro im Vergleich zur GKV spart, investiert dieses Geld besser in Altersvorsorge, statt es der unsicheren GKV-Zukunft anzuvertrauen.
Zum nächsten Beitrag dieser Reihe: Frauen in der Selbstständigkeit
Titelbild: © Kimberly Elsholz