Der professionelle Fußball ist ein Hochleistungssport, dessen wirtschaftliche Dynamik untrennbar mit der physischen Leistungsfähigkeit seiner Akteure verbunden ist. Die aktuellen langfristigen Ausfälle von Schlüsselspielern des FC Bayern München, wie Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito, rücken einmal mehr die kritische Frage der finanziellen Absicherung bei berufsbedingten Sportverletzungen in den Fokus. Insbesondere die Phase nach Ablauf der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht wirft relevante Fragestellungen bezüglich der Versorgungslücke auf.
Laut ligainsider.de verzeichnet die Bundesliga (Stand: 18.07.2025) aktuell 17 Spieler, die seit mindestens sechs Wochen verletzungsbedingt ausfallen. Dies markiert den Zeitpunkt, an dem die Lohnfortzahlung durch den Verein gemäß § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) endet und der Spieler, sofern die Verletzung als Arbeitsunfall i.S.d. § 8 SGB VII qualifiziert wird, Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) sowie gegebenenfalls privater Krankentagegeldversicherungen in Anspruch nehmen muss.
Die Kernfrage lautet: Wie groß ist der verbleibende Einkommensausfall für den Profisportler?
Einkommensabsicherung im Profisport? Komplex!
Die pauschale Antwort „it depends“ mag im ersten Moment trivial erscheinen, sie bringt jedoch die vielschichtigen Einflüsse der Versorgungslücke präzise auf den Punkt.
Zunächst ist festzuhalten, dass in den ersten vier Wochen eines Arbeitsverhältnisses – sprich den ersten vier Wochen nach Vertragsbeginn – der Anspruch auf Lohnfortzahlung gemäß § 3 Abs. 3 EFZG überhaupt noch nicht besteht. Gleichzeitig haben Sportler ab Tag eins ein extrem hohes Ausfallrisiko ihres Gehalts, da täglich Verletzungsgefahren bestehen.
Tobias Lommer ist Mitgründer der The Finance Athletes GmbH & Co. KG. Mit seinem Team entwickelt er individuelle Versicherungslösungen für Profisportlerinnen und Profisportler. Oft greift er bei der Absicherung dabei auf Produkte der BarmeniaGothaer zurück. Als Kurator dieser Serie bietet sie spezielle Absicherungskonzepte für Profisportlerinnen und -sportler, insbesondere im Bereich Krankenversicherung.
Absicherung für ProfisportlerBarmenia Maklerservice
Gothaer Partnerportal
So hat einer unserer Klienten drei Wochen nach einem Wechsel in die Bundesliga eine komplizierte Fraktur erlitten, die zum Saisonaus geführt hat. Zum Glück war er da bereits abgesichert und hatte am Ende der Leistungsdauer – zur Unfreude der Versicherung – eine Schadenquote von 2.300 %.
Verletzungen wie diese, die in dieser frühen Phase auftreten und zur Spielunfähigkeit führen, haben somit einen unmittelbaren vollständigen Einkommensverlust zur Folge, es sei denn, es existieren wie bei besagtem Klienten spezielle Vereinbarungen oder eine sofort einsetzende private Absicherung.
Ohne eine private Absicherung greifen bei einem Ausfall nur die Leistungen der Berufsgenossenschaften, soweit der Ausfall durch einen Arbeitsunfall bedingt ist.
Verletztengeld der Berufsgenossenschaften
Gemäß § 45 SGB VII beträgt das Verletztengeld 80 % des Regelentgelts, darf jedoch das Nettoarbeitsentgelt nicht übersteigen. Für Profisportler mit Spitzeneinkommen ist hier die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Unfallversicherung der entscheidende limitierende Faktor. Diese liegt deutlich unter dem tatsächlichen Einkommen eines gut verdienenden Profis.
Ein Jahresarbeitsverdienst von beispielsweise 150.000 EUR, der für viele Profis selbst in der 2. Bundesliga bereits eine Untergrenze darstellt, wird nur bis zur Höchstgrenze für die Berechnung des Verletztengeldes berücksichtigt, welche bei ca. 5.000 EUR netto liegt. Die Differenz zum tatsächlichen Einkommen ist immens.
Beispiel einer potentiellen Einkommenslücke
Betrachten wir einen Bundesliga-Profi, 25 Jahre, mit einem Brutto-Jahresgrundgehalt von 1,5 Millionen EUR (ca. 125.000 €/Monat brutto; 66.000 EUR netto), der sechs Monate, beziehungsweise 26 Wochen, ausfällt.
Die ersten sechs Wochen bezieht er sein normales Gehalt und wird laut dem Standardvertrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sogar anteilig an den Prämien seiner Mannschaft beteiligt. Danach erhält er wie jeder Arbeitnehmer ein Verletztengeld (sofern es sich um einen Arbeitsunfall handelt).
Das Verletztengeld beträgt in diesem Fall 5.992,20 EUR brutto, abzüglich Sozialversicherung und privater Krankenversicherung, die allerdings selbst getragen werden müssen (Kommentar: die GKV wäre kostenlos). Immerhin: das Verletztengeld ist komplett steuerfrei.
Dem Athleten entsteht also nach Adam Riese eine Lücke von ca. 61.000 EUR netto pro Monat. In der Summe macht das auf die Ausfallzeit (inklusive der Lohnfortzahlung) fast 300.000 EUR netto aus.
Würden wir das Beispiel auf einen Spieler ausweiten, der bei einem der deutschen Top-Vereine wie Borussia Dortmund, dem FC Bayern München oder Bayer Leverkusen spielt, maximiert sich das Problem, da die Gehälter teilweise im Bereich von fünf bis 20 Millionen EUR pro Jahr liegen.
Eine private Lösung muss her
Während manch Leser nun denken mag: „Was für ein Luxusproblem!”, ist die Realität: Sportler verdienen nur über einen sehr kurzen Zeitraum sehr viel Geld und dieser Vermögensaufbau möchte geschützt werden.
Der kürzeste Weg einer Lösung führt über die Absicherung im PKV-Tarif wie bei einem handelsüblichen Arbeitnehmer. Die Höchstgrenzen liegen zwischen 500 bis 1.500 EUR pro Tag, je nach Anbieter. Damit würde unser Beispielprofi schon 25 bis 50 % des Nettos abgedeckt bekommen.
Wir raten den meisten Sportlern zu einer Zusatzabdeckung über Spezialversicherer. Hier können - bei bis zu drei Jahren Vertragslaufzeit - Summen nahezu unbegrenzt abgesichert werden. Die Preise sind dabei sehr individuell, wobei mit circa 4 % bis 8 % der Versicherungssumme gerechnet werden kann, je nach Vorverletzungshistorie.
Fazit: Absicherung ist Pflicht
Verletzungen im Profifußball sind nicht nur eine sportliche, sondern vor allem eine existenzielle Herausforderung. Sobald die gesetzliche Lohnfortzahlung endet, offenbart sich eine zum Teil dramatische Versorgungslücke, die insbesondere bei Top-Verdienern schnell in fünf- bis sechsstellige monatliche Nettoverluste münden kann.
Die gesetzliche Absicherung, allen voran das Verletztengeld der Berufsgenossenschaft, ist für die Realität im Profisport schlicht nicht ausreichend und stößt durch starre Beitragsbemessungsgrenzen schnell an ihre Limits. Im Worst-Case verletzt sich ein Spieler oder erkrankt ein Athlet abseits der „Arbeit“ und ist komplett auf die Absicherungen durch die Versicherungen angewiesen. Ein Fall auf 0,00 EUR droht, wenn sich diesem Problem nicht angenommen wird.
Wer glaubt, dass es sich hierbei um ein Luxusproblem handelt, verkennt die ökonomische Lebensrealität vieler Profis: kurze Karriere, häufig hohes Risiko, limitierter Zeitraum zur Vermögensbildung. Umso wichtiger ist es, frühzeitig auf individuell zugeschnittene private Lösungen zu setzen, sei es über Krankentagegeldtarife der PKV oder leistungsstarke Spezialpolicen, die auch längere Ausfälle finanziell abfedern.
Denn eines ist sicher: Der freie Fall nach einer Verletzung lässt sich vermeiden, wenn man das richtige Netz spannt.
In meinem nächsten Beitrag geht es um das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung für Profisportler. Denn was für Menschen in klassischen Berufen noch recht einfach und klar strukturiert ist, wird hier zur echten Herausforderung.
Titelbild: © Tobias Lommer