Digitalisierung im Maklermarkt: Das Thema wird seit Jahren diskutiert, gelobt und beklagt, oft gleichzeitig. Die einen sehen in ihr die große Chance für mehr Effizienz und bessere Betreuung. Die anderen fühlen sich überfordert, abgehängt oder treffen auf Systeme, die mehr versprechen als sie halten.
Ich finde: Beide Seiten haben einen Punkt. Denn Digitalisierung ist kein Schalter, den man umlegt. Sie ist ein Prozess, und der beginnt im Kopf.
Wo Technologie den Alltag wirklich erleichtert
Lässt man das Rauschen beiseite und schaut auf das, was tatsächlich funktioniert, wird die Liste schnell lang. Digitale Unterschriften haben unseren Alltag bei COVAGO grundlegend verändert.
Wir können heute nahezu alles abschließen, ohne physisch vor Ort sein zu müssen. Das spart Zeit auf beiden Seiten und hat uns während und nach der Corona-Zeit einen echten Schub gegeben:
- mehr Umsatz,
- mehr Reichweite,
- mehr Kundenzufriedenheit.
Dieser Beitrag wird kuratiert von k+m. Als Assekuradeur im Maklermarkt beschäftigt sich k+m intensiv mit der Frage, wie digitale Lösungen sinnvoll in den Makleralltag integriert werden können.
Dabei zeigt sich: Technologie entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie auf klare Prozesse und Strukturen trifft. Ohne diese Grundlage bleiben viele digitale Ansätze Stückwerk und führen eher zu zusätzlicher Komplexität als zu echter Entlastung.
Für k+m ist genau das der Maßstab: Digitalisierung so zu gestalten, dass sie Makler in ihrer täglichen Arbeit tatsächlich unterstützt, Abläufe vereinfacht und Freiräume für Beratung schafft.
Mehr Infos gibt's hier!Direktanbindungen via BiPRO-Schnittstellen zu Gesellschaften verbessern die Datenqualität und beschleunigen Prozesse. Digitale Rechner wie Xempus im bAV-Bereich machen Vergleiche und Angebote deutlich schlanker. Und KI (ob für E-Mail-Entwürfe, Marktrecherchen, Präsentationen oder Social-Media-Content) nimmt dem Team erhebliche Routinearbeit ab. Das sind keine abstrakten Möglichkeiten, sondern Werkzeuge, die wir täglich einsetzen.
Warum Unabhängigkeit zählt
Besonders spürbar war für uns die Entscheidung für ein unabhängiges CRM. Wer sein CRM selbst steuert, kann es individuell auf seine Prozesse, seine Kundinnen und Kunden und seine Kommunikation ausrichten. Verknüpft mit einer eigenen App entsteht daraus ein Ökosystem, in dem der Kunde jederzeit Zugriff auf seine Daten hat: transparent, aktuell, nachvollziehbar. Das reduziert Rückfragen, steigert die Zufriedenheit und schärft das eigene Profil.
Wer hingegen von einem Verbund-System oder einer Gesellschaftslösung abhängig ist, hat nur begrenzte Möglichkeiten zur Individualisierung. In einer Zeit, in der Versicherer fusionieren, Investoren kommen und gehen und sich Systemlandschaften ändern, ist Flexibilität ein strategischer Vorteil. Den Stecker ziehen und woanders wieder einstecken können – das ist kein Luxus, das ist Resilienz.
Digitalisierung braucht Menschen und klare Rollen
Was bei uns im Team konkret funktioniert hat: nicht eine Person, die alles irgendwie mitbetreut, sondern klare Zuständigkeiten. Ein Team kümmert sich ausschließlich um Bestand, Prozesse und aktive Nachbetreuung. Zwei Kolleginnen verantworten Annahmen und Anträge im Privat- und Gewerbebereich und optimieren laufend die dazugehörigen Abläufe.
Eine Person hat das Thema KI übernommen. Nicht als Nebenprojekt, sondern als feste Aufgabe. Und auch das CRM wird aktiv weiterentwickelt: Was fehlt, was kann verbessert werden, wo gibt es Lücken? Nach sechs Jahren am Markt ist dies für uns einer der entscheidenden Faktoren: dass jede und jeder weiß, wofür sie oder er zuständig ist, und dass niemand alles irgendwie nebenbei mitlaufen lässt.
Medienbrüche und der Fluch der vielen Portale
Die Kehrseite der digitalen Welt ist die Fragmentierung. Zu viele Portale, zu viele Schnittstellen, zu viele Systeme, die nicht miteinander sprechen. Kundinnen und Kunden tauchen doppelt und dreifach auf. Daten werden abgeglichen, manuell gepflegt, korrigiert. Wer keine zentrale Stelle hat, an der alle Informationen zusammenlaufen, verliert Zeit und macht Fehler.
Die Lösung ist nicht ein System, das alles kann. Denn das gibt es nicht mehr. Nein, die Lösung besteht aus einem Hauptsystem, das konsequent als Hub fungiert, und möglichst weniger, sauberer angebundener Ergänzungen. „Keeping it simple“ ist hier keine Faulheit, sondern Strategie. Denn jede zusätzliche Schnittstelle ist auch eine potenzielle Fehlerquelle.
Warum viele Maklerinnen und Makler Digitalisierung als Überforderung erleben
Dass ein Teil des Berufsstands mit der Digitalisierung fremdelt, hat meiner Meinung nach nachvollziehbare Gründe. Wer 30 oder 40 Jahre lang erfolgreich mit denselben Prozessen gearbeitet hat, wird nicht auf Knopfdruck zum Digital Native. Das liegt nicht an fehlendem Willen, sondern an einer anderen Prägung. Und für die letzten Berufsjahre nochmals grundlegend umzustrukturieren, ist eine berechtigte Abwägung.
Gleichzeitig gibt es eine Generation, die all das von Anfang an mitgedacht hat und die den Markt zunehmend mitgestaltet. Dieser Generationenwechsel ist im Gange, und er wird die Branche verändern.
Bis dahin leben wir in zwei Welten: einer, die alles digital will, und einer, die es gerne so lässt, wie es war. Diese Spannung produktiv zu gestalten, ist eine der zentralen Aufgaben für Maklerunternehmen in den kommenden Jahren.
Fazit: Technik braucht Prozess und Menschen brauchen Zeit
Was Digitalisierung nicht kann: Menschen ersetzen, wo es auf Urteilsvermögen, Empathie und Troubleshooting ankommt. Was sie kann: Routinearbeit abnehmen, Prozesse beschleunigen, Datenqualität verbessern und dem Team Zeit freispielen für das, was wirklich zählt.
Heißt für dich als Maklerin oder Makler: Wenn du Technologie auf ein klares Prozessverständnis aufsetzt, wirst du den Unterschied spüren.
Wenn du aber hoffst, dass eine neue Software die Strukturarbeit erspart, wirst du enttäuscht sein. Der Maklermarkt hat enormes digitales Potenzial, aber er hebt es nur, wenn das Mindset stimmt.
Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe: Zwischen den Stühlen
Titelbild: © Thorsten Schiffgens