„Ich bin jung und gesund – da brauche ich keine Versicherung.“ Diesen Satz höre ich fast wöchentlich in meiner Beratung. Und ehrlich gesagt: Ich kann ihn sogar verstehen. Denn digitale Selbstständige ticken anders. Sie wollen unabhängig leben, frei arbeiten und investieren lieber in ihr Wachstum als in Absicherung. Und trotzdem – oder gerade deshalb – brauchen sie eine klare Strategie für ihre finanzielle Sicherheit.
In diesem Beitrag zeige ich, mit welchen Einwänden ich in der Beratungspraxis am häufigsten konfrontiert werde – und wie ich sie auflöse: empathisch, konkret und immer mit Blick auf die Realität des digitalen Unternehmertums.
Typische Einwände digitaler Selbstständiger entkräften
Digitale Selbstständige haben eine andere Risikowahrnehmung. Viele starten aus einer intrinsischen Motivation heraus, arbeiten ortsunabhängig, bauen ihre Tätigkeit schnell, flexibel und international aus. Und oft fehlt der Zugang zu passenden, individuellen Absicherungslösungen. Die drei häufigsten Einwände:
„Ich bin jung und gesund“ – warum genau das der richtige Zeitpunkt ist
Der verbreitetste Einwand lautet: „Mir passiert schon nichts.“ Dahinter steckt ein Denkfehler, den ich mit einem einfachen Perspektivwechsel korrigiere: Genau jetzt, wo noch keine Einschränkungen bestehen, ist der optimale Moment für eine solide Absicherung. Denn: Wer jung und gesund ist, bekommt nicht nur die besten Konditionen bei BU oder Krankenversicherung – sondern legt auch den Grundstein für ein langfristig tragfähiges Sicherheitsnetz.
Ich frage in solchen Momenten direkt: „Was passiert, wenn du morgen ausfällst?“ Dann wird schnell klar, wie viele Kosten im Hintergrund weiterlaufen: Miete, Tools, Teamgehälter, Ads. Wenn das Einkommen wegbricht, aber die Ausgaben bleiben, kann das in kürzester Zeit existenzbedrohend werden. Kein Schutz bedeutet nicht nur Risiko – es bedeutet unternehmerischen Blindflug.
„Ich investiere lieber in mein Business“ – und warum das kein Widerspruch ist
Viele meiner Kund:innen sagen mir im Erstgespräch: „Versicherung ist wichtig, aber aktuell stecke ich alles ins Wachstum.“ Ein nachvollziehbarer Impuls – gerade in der Start- oder Skalierungsphase. Aber Wachstum ohne Schutz kann schnell zu einem Rückschritt werden, wenn unvorhersehbare Ereignisse eintreten.
Ich zeige dann, dass es nicht um ein entweder-oder, sondern um ein sowohl-als-auch geht. Gute Absicherung ist kein Kostenblock, sondern ein strategischer Baustein. Wenn ich mit konkreten Rechenbeispielen arbeite – etwa einer BU für 80 € im Monat, die ein Einkommen von 2.000 € absichert – wird schnell klar, wie gering der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen ist. Ich vergleiche das mit Konsumausgaben wie Starbucks-Besuchen oder Abo-Diensten. Plötzlich wirkt es nicht mehr teuer, sondern logisch.
„Das ist doch übertrieben“ – emotionale Blockaden erkennen und auflösen
Hinter der Aussage „Das ist doch übertrieben“ verbirgt sich oft kein faktischer Zweifel, sondern eine emotionale Barriere. Viele Selbstständige scheuen sich davor, sich mit Risiken auseinanderzusetzen – aus Angst, Kontrollverlust zu spüren oder Schwäche einzugestehen. Hier geht es um mehr als Zahlen. Es geht um Identität, Selbstbild, Vertrauen.
Ich arbeite in solchen Fällen mit einem Perspektivwechsel: Absicherung ist keine Einschränkung, sondern ein Enabler. Sie macht freie Entscheidungen möglich. Wer finanziell abgesichert ist, kann mutiger investieren, größere Schritte wagen, auch mal eine Pause einlegen – ohne alles zu riskieren. Besonders bei freiheitsliebenden Unternehmer:innen wirkt diese Umdeutung sehr stark.
Risiken sichtbar machen
Nicht jeder Mensch ist durch Zahlen zu überzeugen. Deswegen arbeite ich neben Daten auch mit konkreten Bildern, Szenarien und Geschichten. Mein Ziel ist es immer, ein realistisches Bewusstsein zu schaffen – nicht Angst.
Vom Worst Case zur Einsicht
Ich arbeite viel mit der Methode des Worst-Case-Denkens. Dabei geht es nicht um Panikmache, sondern um Realitätsbewusstsein. Ich frage gezielt:
- „Was wäre, wenn du ab morgen keine Rechnungen mehr schreiben kannst?“
- „Was kostet dich ein einziger Rechtsstreit ohne Absicherung?“
- „Wie sehr würde dich ein längerer Ausfall in deinem Business zurückwerfen?“
Ich visualisiere, welche Risiken entstehen – und welche davon man selbst tragen könnte oder wollte. Alles andere: versichern. So entsteht nicht nur Verständnis, sondern auch Handlungsdruck.
Zahlen, die überzeugen
Die meisten Selbstständigen reagieren sehr positiv auf konkrete Zahlenvergleiche – vor allem, wenn sie einfach und praxisnah formuliert sind. Ich nutze Rechenbeispiele, die zeigen, wie günstig professionelle Absicherung im Verhältnis zum potenziellen Schaden ist:
- Eine Rechtsschutzversicherung ab 30 € im Monat kann Prozesse abdecken, die sonst 10.000 € oder mehr kosten.
- Eine BU für 80 € im Monat sichert im Idealfall ein Jahreseinkommen von 24.000 € – und das langfristig.
- Über steuerliche Hebel wie § 3 Nr. 16 EStG lassen sich Beiträge sogar teilweise über das Unternehmen steuern und absetzen.
Wenn ich diese Zahlen in den Alltag übertrage – etwa im Vergleich zu Fitnessstudio-Abos, Technik-Leasing oder Marketingausgaben – wird klar: Absicherung ist nicht teuer, sondern notwendig.
Geschichten, die berühren
Zahlen überzeugen – aber Geschichten wirken tiefer. Deshalb setze ich gezielt anonymisierte Fallbeispiele aus meiner Beratungspraxis ein:
- Die Freelancerin, die nach einer Burn-out-Diagnose monatelang kein Einkommen hatte – ohne BU, ohne Rücklagen.
- Der Online-Coach, der wegen fehlerhafter AGB verklagt wurde – ohne Rechtsschutz, mit immensen Kosten.
- Eine Agentur, deren Mitarbeiter Fehler im Werbetext machten – abgesichert durch die passende Betriebshaftpflicht.
Diese Geschichten schaffen Identifikation. Kund:innen erkennen: „Das könnte auch mir passieren.“ Und dann entsteht Handlungsmotivation – ganz ohne Druck.
Und ganz konkret: Diese Versicherungen empfehle ich ab Tag 1
- Berufsunfähigkeitsversicherung
- Betriebs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
- Rechtsschutzversicherung
Letztere wird immer relevanter. Es ist eigentlich keine Frage mehr, ob ein Rechtsfall eintritt – sondern wann. Je nach Geschäftsmodell kommen weitere Produkte dazu. Aber diese drei sind für mich der Grundstock.
Verkaufsprozesse digital denken
Ich habe mein eigenes Business digitalisiert und dann meine Kund:innen dort abgeholt, wo sie stehen. Daraus hat sich meine Positionierung entwickelt: nicht als klassische Maklerin, sondern als strategische Partnerin für Unternehmer:innen mit einem freiheitsorientierten, digitalen Lifestyle. Diese Authentizität ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Um meine Zeit effizient zu nutzen, habe ich meinen Vertriebsprozess digital aufgebaut. Ich arbeite mit einem Bewerbungsformular, das mir hilft, Anfragen vorzuqualifizieren. So landen keine unpassenden Termine in meinem Kalender – und ich habe mehr Fokus in der Beratung.
Termine werden automatisiert gebucht, ohne Hin- und Her-Schreiben. Ich arbeite in der Beratung außerdem mit klaren Leitfäden und Entscheidungsstrukturen – das hilft, Themen effizient auf den Punkt zu bringen. Im Anschluss wird per E-Mail nachgefasst, ergänzt durch Reminder-Automationen. So bleibt nichts liegen – und ich kann mich auf das konzentrieren, was zählt: echte Beratung.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt für digitale Transformation ist
Es entstehen aktuell sehr viele neue digitale Geschäftsmodelle – AI-Themen, Automatisierungen, Tools. Alles entwickelt sich gerade rasant. Deshalb ist es wichtig, das eigene Unternehmen so aufzustellen, dass man Schritt halten kann. Ich denke, wir sollten uns alle fragen: Wie kann ich diese Entwicklungen für meine eigene Beratung nutzen? Wie können Prozesse automatisiert werden, damit ich mehr Zeit in die persönliche Beratung stecken kann?
Immer mehr Menschen wollen ortsunabhängig arbeiten. Deshalb wird die Spezialisierung auf digitale Zielgruppen und flexible Beratungsmodelle immer wichtiger. Wer sich hier gut aufstellt, schafft neue Möglichkeiten für Wachstum und Differenzierung.
Drei Tipps für Makler:innen, die digital beraten wollen
- Versteht die Lebenswelt eurer Zielgruppe. Wer digitale Selbstständige beraten will, sollte ihren Alltag kennen. Idealerweise lebt man selbst einen ähnlichen Lifestyle oder arbeitet zumindest digital.
- Baut Sichtbarkeit in der digitalen Bubble auf. Nur wer dort sichtbar ist, wo die Zielgruppe sich bewegt, wird als vertrauenswürdig wahrgenommen.
- Stellt eure Prozesse digital und transparent auf. Ein langer, unkomplizierter Online-Prozess vom Erstkontakt bis zum Abschluss ist Pflicht: smart, digital, schnell.
Ausblick: Meine Vision für die nächsten Jahre
Ich sehe meine Zukunft als erste Anlaufstelle für digitale Unternehmer:innen – national wie international, wenn es um ganzheitliche Finanz- und Absicherungskonzepte geht. Dabei denke ich nicht nur in Einzelberatungen, sondern in skalierbaren Strukturen: Eine eigene Kundenplattform, fundierte Inhalte auf Abruf und eine Community für Makler:innen, die selbst ortsunabhängig und steuerlich smart arbeiten wollen.
Auch persönlich plane ich mehr Freiheit: zwei Lebensmittelpunkte im Ausland, eine Remote-Struktur, die mir Flexibilität und Fokus schenkt. So kann ich mein Wissen noch gezielter weitergeben – in Projekte mit echtem Tiefgang, für Menschen, die genauso unternehmerisch denken wie ich.
Titelbild © Kimberly Elsholz