Mit dem Altersvorsorge-Depot kommt nicht nur ein neues Vorsorgeprodukt auf den Markt. Es entsteht ein neues Wettbewerbsfeld und darin könnten klassische Versicherer, Vertriebe sowie Maklerinnen und Makler schneller unter Druck geraten, als viele derzeit wahrhaben wollen. Genau davor warnt Bastian Kunkel im Videointerview.
Seine zentrale These ist klar: Neo-Broker haben beste Chancen, sich früh an die Spitze dieser neuen Produktwelt zu setzen. Nicht nur wegen niedriger Kosten und digitaler Prozesse, sondern vor allem, weil sie das Spiel um Aufmerksamkeit längst eröffnet haben. Kunkel spricht von einer Entwicklung, die für diese Anbieter schon jetzt nach „Goldgräberstimmung“ aussieht.
Auf Versicherungen mit Kopf findet Ihr viele weitere Informationen, Videos und praktische Tipps von Bastian Kunkel.
Zu Versicherungen mit KopfDer Markt wird nicht erst morgen verteilt
Während in der klassischen Versicherungswelt noch über Produktlogiken, Vergütungsmodelle und Bestandsfragen nachgedacht wird, sind digitale Anbieter vielerorts schon in der Vorbereitungsphase aktiv. Sie bauen Rechner, testen Kampagnen, sammeln Daten und sichern sich Reichweite. Der eigentliche Vorsprung entsteht damit nicht erst zum Start des Produkts, sondern lange davor.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenFür Kunkel ist das ein strukturelles Problem. Neo-Broker könnten auf der grünen Wiese starten, während etablierte Anbieter mit Altlasten kämpfen. Genau dieser Unterschied werde nun sichtbar. Manche Gespräche in der Branche kämen zwar in Gang, aber womöglich schon spät. Deshalb formuliert er die Warnung zwischen den Zeilen deutlich: „Die Branche darf jetzt nicht schlafen.“
Einfachheit gewinnt Aufmerksamkeit
Das neue Altersvorsorge-Depot trifft einen Nerv, weil es perfekt in ein Zeitgefühl passt: einfach, digital, kostengünstig. Gerade für jüngere und digital affine Zielgruppen ist das ein starkes Versprechen. Doch genau darin liegt für Kunkel auch die Gefahr.
Denn Altersvorsorge ist für ihn eben kein Produkt, das sich allein über einfache Bedienung erklären lässt. Sie ist langfristig, erklärungsbedürftig und stark vom Verhalten der Menschen abhängig. Oder, wie er es im Gespräch zuspitzt: „Du brauchst keinen Berater, machst selbst, machst online, kostengünstig. Klingt einfach zu gut.“
Dieser Satz trifft den Kern der Debatte. Denn was im Onboarding schnell und attraktiv wirkt, muss noch lange nicht über Jahrzehnte tragfähig sein. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt aus seiner Sicht erst später – in schwachen Marktphasen, bei Unsicherheit, bei fehlender Orientierung und in genau den Momenten, in denen Menschen nicht nur Technik, sondern Einordnung brauchen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenBeratung wird politisch klein gerechnet
Besonders kritisch sieht Kunkel, dass in der politischen Debatte über Kosten und Abschlusswege leicht ausgeblendet wird, warum Menschen überhaupt vorsorgen: häufig deshalb, weil Beratung Hürden abbaut, Unsicherheit nimmt und Verbindlichkeit schafft.
Sein Einwand geht deshalb tiefer als reine Vertriebskritik. Wenn politische Reformen vor allem den günstigen Online-Abschluss stärken, werde der Wert persönlicher Begleitung strukturell unterschätzt. Dabei sei genau sie oft der entscheidende Hebel, damit Menschen Altersvorsorge nicht nur beginnen, sondern auch durchhalten.
Kunkel bezweifelt deshalb, dass ausgerechnet in einem Land mit schwacher Finanzbildung plötzlich massenhaft souveräne Selbstentscheiderinnen und Selbstentscheider entstehen. Die Langfristigkeit dieses Modells sei noch nicht zu Ende gedacht. Seine nüchterne Bilanz: „Die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt worden.“
Die Rechnung kommt später
Was heute modern und verbraucherfreundlich wirkt, könnte langfristig neue Probleme schaffen. Denn der Abschluss ist nur der Anfang. Was passiert, wenn Märkte schwanken? Wenn Kundinnen und Kunden verunsichert reagieren? Wenn über Jahre niemand da ist, der einordnet, beruhigt oder korrigiert?
Genau darin liegt für Kunkel die offene Flanke des neuen Modells. Verbraucherschutz erschöpft sich aus seiner Sicht nicht in Kostenbegrenzung und digitaler Zugänglichkeit. Er zeigt sich erst dann wirklich, wenn ein Vorsorgeweg auch in Krisen tragfähig bleibt. Deshalb formuliert er einen Gedanken, der weit über Produktkritik hinausgeht:
Wäre vielleicht gar nicht so doof gewesen, einen Berater mit dabei zu haben.
Finfluencer und Reichweite werden den Markt mitprägen
Ein weiterer Punkt, den Kunkel im Gespräch stark macht, ist die Rolle von Finfluencerinnen und Finfluencern. Wer Reichweite hat, kann ein komplexes Vorsorgethema schnell in massentaugliche Botschaften übersetzen. Genau deshalb rechnet er damit, dass Neo-Broker diese Kanäle strategisch nutzen werden, um das Altersvorsorge-Depot in den Markt zu drücken.
Damit verschiebt sich der Wettbewerb zusätzlich. Es geht dann nicht mehr nur um Produkte und Preisstrukturen, sondern auch um Narrative, Sichtbarkeit und die Frage, wer Deutungshoheit gewinnt. Für Maklerinnen und Makler heißt das: Beratung muss ihren Wert künftig noch klarer kommunizieren – fachlich, verständlich und medial anschlussfähig.
Warum sich das Video lohnt
Das Interview mit Bastian Kunkel ist deshalb mehr als eine Einschätzung zu einem neuen Produkt. Es ist ein Blick auf einen Markt, der sich gerade neu sortiert. Wer wissen will, warum Neo-Broker, politische Regulierung und digitale Reichweite die Altersvorsorge grundlegend verändern könnten, findet in diesem Gespräch eine pointierte und zugleich differenzierte Einordnung.
Oder in Kunkels eigener Logik gesagt: Jetzt entscheidet sich, wer im neuen Vorsorgemarkt nur ein Produkt anbietet und wer am Ende tatsächlich Orientierung liefert. Mehr dazu im Video.