Im letzten Beitrag meiner Serie zu Versicherungen im Profisport geht es um eine Frage, die sich früher oder später jeder Athlet stellt. Und die jede Versicherungsmaklerin und jeder Versicherungsmakler kennt, die oder der länger als zwei Gespräche im Leistungssport unterwegs ist:
Was kostet die Absicherung eigentlich?
Der obligatorische Hinweis vorab: Versicherungsprämien sind immer individuell. Alter, Gesundheitszustand, Liga, Vertragsdauer, Nationalität, Auslandsstationen und Risikozuschläge verändern jede Kalkulation. Die folgenden Beispiele sind daher keine Preistabellen, sondern realistische Musterfälle aus der Praxis.
Case 1: der junge Bundesliga-Spieler
Aus Maklersicht ist dies der attraktivste der greifbaren Fälle.
Ein junger Spieler erhält seinen ersten Profivertrag oder wechselt aus dem Ausland in die Bundesliga. Das Monatsgehalt liegt deutlich jenseits der 100.000 Euro brutto. Der Spieler ist gesund, ohne relevante Vorschäden, kurz: ein sehr gut versicherbares Risiko.
In diesem Szenario ist es fachlich sauber, den Spieler:
- privat zu krankenversichern,
- mit hohem Krankentagegeld auszustatten,
- gegen Sport- bzw. Sportunfähigkeit abzusichern,
- und die klassischen Sachversicherungen mitzunehmen.
Monatliche Kosten:
Private Krankenversicherung:
- 1.930,32 Euro inklusive 200 Euro Krankentagegeld
(Arbeitgeberzuschuss ca. 500 Euro)
Krankentagegeld (Spezialversicherer):
- 3.501 Euro für 2.000 Euro pro Tag
Sportunfähigkeitsversicherung (Spezialversicherer):
- 500 Euro monatlich für 900.000 Euro Absicherung
Hausratversicherung:
- 70 Euro monatlich
Kfz-Versicherung:
- 400 Euro monatlich
Gesamtbelastung: rund 6.400 Euro monatlich.
Abzüglich des Arbeitgeberzuschusses verbleibt ein erheblicher Eigenanteil. Gleichzeitig reden wir hier über die Absicherung eines Einkommens, dessen Bestand vollständig an körperliche Leistungsfähigkeit gekoppelt ist.
Auffällig und für viele Spieler zunächst schwer nachvollziehbar sind in diesem Kontext insbesondere die Kosten der Kfz-Versicherung. Diese haben weniger mit dem Einkommen als vielmehr mit der persönlichen Fahrhistorie zu tun.
Da es sich bei Profifußballern häufig um sehr junge Athleten handelt, die erst seit wenigen Jahren im Straßenverkehr unterwegs sind, verfügen sie meist über geringe Schadenfreiheitsklassen.
Tobias Lommer ist Mitgründer der The Finance Athletes GmbH & Co. KG. Mit seinem Team entwickelt er individuelle Versicherungslösungen für Profisportlerinnen und Profisportler. Oft greift er bei der Absicherung dabei auf Produkte der BarmeniaGothaer zurück. Als Kurator dieser Serie bietet sie spezielle Absicherungskonzepte für Profisportlerinnen und -sportler, insbesondere im Bereich Krankenversicherung.
Absicherung für ProfisportlerBarmenia Maklerservice
Gothaer Partnerportal
In Kombination mit leistungsstarken Fahrzeugen im oberen Preissegment führt das dazu, dass Supercars versicherungstechnisch schnell zu einem eigenständigen Kostenblock werden.
Kurz gesagt: Hohe Motorleistung trifft auf geringe SF-Klasse. Das Ergebnis sind Prämien, die selbst für sehr gut verdienende Profis überraschend hoch ausfallen.
Case 2: der Profi im Ausland, der seine PKV hält
Dieser Fall ist fachlich besonders spannend und aus Maklersicht häufig ambivalent.
Eine Profifußballerin setzt ihre Karriere im Ausland fort, hält jedoch bewusst an ihrer deutschen privaten Krankenversicherung fest.
Hier zeigt sich, dass sich mit dem Auslandswechsel nicht nur Liga, Sprache und Umfeld ändern, sondern auch die Struktur der Absicherung. Staatliche Systeme, Pflichtversicherungen oder tarifvertragliche Lösungen im Ausland unterscheiden sich teils erheblich vom deutschen Niveau, insbesondere bei medizinischen Leistungen und der Einkommensabsicherung.
Viele Profis entscheiden sich dennoch dafür, ihre deutsche Absicherung fortzuführen. Die Gründe sind meist pragmatisch: höhere Leistungsstandards, die Möglichkeit, sich in Deutschland behandeln zu lassen, sowie die Erfahrung, dass Reha- oder Spezialbehandlungen im Ausland nicht immer vollständig übernommen werden.
In der Praxis sehen wir regelmäßig Konstellationen, in denen die lokale Absicherung nicht greift, während der deutsche Versicherer leistet. Gerade bei längeren Reha-Maßnahmen oder komplexen Verletzungen wird dieser Punkt schnell existenziell.
Monatliche Kosten:
Private Krankenversicherung
- 2.000 Euro monatlich inklusive 500 Euro Krankentagegeld
(günstiger als im Verhältnis als Case 1, da keine Zuschläge vereinbart)
Hausratversicherung inklusive Schmuck
- 1.902 Euro monatlich
Invaliditätsversicherung
- 5.200 Euro monatlich für 7,5 Millionen Euro Absicherung
KFZ-Versicherung
- 1.500 Euro monatlich
Gesamtbelastung: 8.602 Euro monatlich.
Case 3: der Nachwuchsspieler in der 3. Liga (jünger als 21)
Ein Case mit hoher Dynamik und wenig Planungssicherheit.
Der Spieler ist U21, hat zuvor bei einem Bundesligisten gespielt und wurde dort privat versichert. Heute spielt er in der 3. Liga, verdient weiterhin solide (ca. 12.500 EUR monatlich), aber deutlich weniger als zuvor.
Monatliche Kosten:
Private Krankenversicherung:
- 802,33 Euro monatlich inklusive 100 Euro Krankentagegeld
(50% AG-Zuschuss)
Private Haftpflicht und Hausrat:
- jeweils rund 5 Euro monatlich
Weitere Absicherungen bestehen nicht.
In diesem Fall werden Altersrückstellungen zeitnah hinzukommen. Gleichzeitig ist das Krankentagegeld objektiv zu niedrig. Aufgrund erheblicher Zuschläge, allein 383 Euro von 802,33 Euro Gesamtbeitrag, davon 353 Euro je 100 Euro Krankentagegeld, hat sich der Spieler vorerst dagegen entschieden.
Hinzu kommt die Erwartung, im Leistungsfall über die Berufsgenossenschaft ausreichend abgesichert zu sein. Fachlich lässt sich diese Entscheidung diskutieren, wirtschaftlich ist sie jedoch nachvollziehbar.
Fazit
Versicherungen im Profisport sind teuer. Und ja: Für Maklerinnen und Makler auch lukrativ.
Entscheidend ist jedoch etwas anderes. Die Kostenfrage muss regelmäßig und proaktiv adressiert werden. Gerade gesunde Spieler beginnen schnell zu hinterfragen, ob 40.000 oder 50.000 Euro pro Jahr für Versicherungen tatsächlich sinnvoll investiert sind.
Die Praxis zeigt allerdings: Wenn es kracht, dann meist richtig.
Leistungszahlungen im hohen sechsstelligen Bereich sind kein theoretisches Szenario, sondern Realität bei schweren Verletzungen, Karriereabbrüchen oder gravierenden gesundheitlichen Einschnitten.
Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe: International spielen heißt international absichern
Titelbild: © Tobias Lommer