Letzte Woche saß ich einem Geschäftsführer gegenüber, der mir frustriert erzählte: „Ich verliere wieder eine Fachkraft. Sie geht zur Konkurrenz, dabei zahlen wir ähnliches Gehalt." Heutzutage ist Gehalt allerdings nicht mehr alles. Es geht auch um Benefits. Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) wird aber oft nur „der Form halber“ angeboten. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist kaum bekannt. Und die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU)? Noch ein Fremdwort für viele Firmen.
Doch genau hier liegt deine Chance. Betriebliche Vorsorge ist längst keine Pflichtübung mehr. Sie ist zur Überlebensstrategie geworden.
Wenn Fachkräfte die Regeln bestimmen
Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht. Unternehmen bewerben sich bei Bewerbern, nicht umgekehrt. Obstkorb und Kickertisch? Nett, aber nicht mehr zeitgemäß. Die Generationen Y und Z haben klare Erwartungen: Sicherheit, Gesundheit, Planbarkeit.
Und sie haben recht. Die gesetzlichen Systeme reichen längst nicht aus. Viele Mitarbeitende können sich privat keinen ausreichenden Schutz leisten – sei es wegen Vorerkrankungen, Gesundheitsprüfungen oder schlicht finanzieller Belastung.
Hier liegt unsere Chance als Makler. Wir können Unternehmen dabei helfen, echte Fürsorge zu zeigen statt nur Gehalt zu zahlen.
Mein neuer Ansatz: Der Dreiklang der Vorsorge
Ich denke betriebliche Vorsorge heute als Gesamtpaket aus bAV, bKV und bBU. Nicht als drei separate Produkte, sondern als strategisches Mitarbeiterbindungsinstrument.
bAV: Mehr als Pflichterfüllung
Die bAV wird oft stiefmütterlich behandelt. Dabei ist sie ein echtes Steuer-Instrument und kann so viel mehr als nur Entgeltumwandlung verwalten. Mein Ansatz: Ich zeige Arbeitgebern, wie sie ihre Zuschusspflicht mit strategischer Kommunikation in echte Arbeitgeberattraktivität verwandeln.
Ein Beispiel: Statt „Wir erfüllen unsere gesetzliche Pflicht" kommuniziere ich für meine Firmenkunden: „Wir investieren in Ihre Zukunft." Derselbe Betrag, völlig andere Wirkung.
bKV: Der emotionale Türöffner
Die bKV ist mein Lieblingsinstrument geworden. Warum? Weil sie sofort spürbar ist. Während die bAV erst in 30 Jahren wirkt, erleben Mitarbeitende die bKV täglich.
Besonders wertvoll: Keine Gesundheitsprüfung bedeutet, dass auch Mitarbeitende mit Vorerkrankungen endlich Zugang zu Zusatzleistungen bekommen. Die pflichtbewusste Pflegekraft, die sich privat keine Zahnzusatzversicherung leisten kann, bekommt sie über den Arbeitgeber.
Mein Erfolgsrezept sind Budgetlösungen bis zu 1200 Euro pro Jahr für Brillen, Massagen, Zahnersatz. Sichtbar, verständlich, sofort nutzbar.
bBU: Der unterschätzte Schutzschild
Die bBU ist das Sorgenkind der betrieblichen Vorsorge. Dabei ist sie wichtiger denn je. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit und betreffen auch zunehmend junge Menschen.
Das Problem: Viele unterschätzen ihr Risiko, denken, BU sei zu teuer, oder bekommen keine Versicherung wegen Vorerkrankungen. Betriebliche Gruppenlösungen lösen alle drei Probleme auf einmal.
Die gesellschaftliche Dimension
Betriebliche Vorsorge ist für mich mehr als ein Geschäftsfeld geworden. Sie ist mein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit im Arbeitsmarkt. Wenn ich durch eine betriebliche Lösung erreiche, dass die Reinigungskraft dieselben Gesundheitsleistungen bekommt wie der Geschäftsführer, dann ist das gelebte Solidarität.
Wir alle kennen diese Momente: Ein Kunde will eine BU abschließen, aber eine Diagnose macht ihn plötzlich unversicherbar. Oder die alleinerziehende Mutter, die sich eine private Absicherung schlicht nicht leisten kann. Genau da wird betriebliche Vorsorge zur gesellschaftlichen Aufgabe.
Mein Rat an dich
Wenn du im Bereich betriebliche Vorsorge tätig bist oder werden willst: Hör auf, in Produkten zu denken. Denke in Lösungen. Denke in Mitarbeiterbindung. Denke in gesellschaftlicher Verantwortung. Die Unternehmen warten auf uns. Sie brauchen Partner, die ihnen zeigen, wie sie Verantwortung übernehmen, Fachkräfte binden und ihr Unternehmen resilienter machen können.
Betriebliche Vorsorge ist keine Pflicht – sie ist Haltung. Und diese Haltung macht den Unterschied zwischen einem Produktverkäufer und einem strategischen Partner auf Augenhöhe.
Titelbild © Kimberly Elsholz
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