In meinem letzten Beitrag ging es um Angst und den ersten Schritt in die Automatisierung: eine
E-Mail kommt rein, die KI liest sie aus, ordnet sie zu, legt eine Aufgabe an. Das war schon viel.
Aber es ist nicht das Ende der Geschichte, es ist der Anfang.
Der Begriff, der 2026 überall auftaucht, wo Versicherer und Maklerpools über KI sprechen, heißt Agentic AI.
Auch blau direkt hat das Thema vor wenigen Wochen im eigenen Podcast Rückenwind aufgegriffen. Das ist kein Marketing-Begriff, den ich hier aufgreife, weil er gerade angesagt ist. Ich erkläre dir, was dahintersteckt, was der Unterschied zu normaler Automatisierung wirklich ist, und wo wir bei Versuro gerade wirklich stehen. Mit allem, was noch nicht funktioniert.
Dieser Beitrag wird kuratiert von blau direkt. Als einer der führenden Maklerpools in Deutschland bietet blau direkt Vermittlerinnen und Vermittlern nicht nur Poolanbindung und Direktvereinbarungen, sondern auch eine ganzheitliche Systemwelt für digitale Maklerbetriebe mit offenen Schnittstellen, die genau das ermöglichen, worüber Johann hier spricht.
Der Unterschied in einem Satz
Ein Tool wartet auf dich. Ein Agent wartet nicht, er macht. Automatisierung, wie ich sie im letzten Beitrag beschrieben habe, ist im Kern reaktiv: etwas passiert, eine E-Mail kommt rein, ein fest definierter Schritt läuft ab, auslesen, zuordnen, fertig.
Ein hingegen Agent geht weiter: Er bekommt ein Ziel, nicht nur eine Aufgabe, zerlegt es selbstständig in Einzelschritte, ruft dafür verschiedene Systeme auf, trifft innerhalb vorher festgelegter Grenzen eigene Entscheidungen und dokumentiert, was er getan hat. Der Mensch definiert den Rahmen. Der Agent handelt darin. Klingt abstrakt? Ein Beispiel aus unserem eigenen Alltag.
Der Stand bei uns: Aufgabe ja, Aktion noch nicht
Wir bauen gerade an einer Telefon-KI für genau die Anfragen, die bei jedem Maklerbüro täglich reinkommen:
- Beitragsrechnungen anfordern
- Versicherungsscheine nachfordern
- EVB- Nummern klären
- Adress- oder Zahlweiseänderungen melden
Die KI ist bereits mit unserem Maklerverwaltungsprogramm, der Ameise, verbunden. Sie zieht sich die passende Versicherungsnummer selbst und bereitet den Anruf beim Versicherer vor, damit das Anliegen geklärt werden kann. Und jetzt der ehrliche Teil, den du selten so offen liest: Aktuell legt die KI daraus eine Aufgabe an. Sie handelt noch nicht selbstständig. Sie bereitet vor, ein Mensch aus unserem Team gibt frei. Ist das schon Agentic AI? Halb. Wir sind auf dem Weg, nicht am Ziel. Und das ist der Stand bei den meisten Maklerbüros, die gerade mit KI arbeiten, auch wenn das selten so offen zugegeben wird.
Wer dir erzählt, seine KI mache schon alles allein, verkauft dir entweder eine Vision als Produkt, oder er hat die Kontrolle absichtlich abgegeben, was bei sensiblen Kundendaten schnell zum Problem wird. Der Unterschied zwischen Aufgabe erstellen und Aktion ausführen ist 2026 der Unterschied zwischen Automatisierung und echtem Agenten. Und die meisten von uns stehen noch auf der Aufgaben-Seite.
Wohin die Reise geht
Damit du siehst, wie weit das perspektivisch trägt, hier ein Szenario, auf das wir bei Versuro konkret hinarbeiten; nicht als Behauptung, sondern als Ziel: Ein Kunde ruft an, braucht kurzfristig eine EVB-Nummer für ein neues Auto. Die KI führt das Beratungsgespräch, fragt die relevanten Daten ab, rechnet in Echtzeit über den Vergleichsrechner, schlägt einen passenden Tarif vor, mit Begründung. Am Ende des Anrufs steht der Antrag, die EVB-Nummer ist ausgestellt. Ohne dass jemand aus deinem Team den Hörer in die Hand nehmen musste.
Dass ein solches Gespräch als KI-Einsatz offengelegt und sauber dokumentiert werden muss, ist dabei gesetzt, dazu mehr in einem eigenen Beitrag. Das ist heute noch nicht Realität. Aber es ist auch keine Science-Fiction mehr, sondern eine Frage von Monaten, nicht Jahren. Der Unterschied zwischen den Maklerbüros, die 2027 vorn liegen, und denen, die hinterherlaufen, entscheidet sich genau jetzt, in der Phase, in der die KI noch Aufgaben erstellt statt Aktionen auszuführen.
Was du schon heute nutzen kannst, ohne selbst zu bauen
Nicht jeder hat ein Team, das eigene Automatisierungen entwickelt. Die gute Nachricht: du musst auch nicht bei null anfangen. Wenn du mit der Ameise arbeitest, steht dir mit AMEISE COPILOT bereits ein KI-Assistent zur Verfügung, der genau in diese Richtung geht. Er legt auf Zuruf neue Kunden an, verschickt die Maklervollmacht, bereitet Kundentermine vor, sortiert deine Aufgaben und beantwortet dir Versicherungsfragen, für die du sonst selbst hättest recherchieren müssen. Das ist kein Zukunftsprojekt, das ist ein Login entfernt.
Wie du das jetzt konkret angehst? Du brauchst kein Entwicklerteam, um in Richtung Agentic AI zu starten. Aber du brauchst eine Reihenfolge, die funktioniert:
Miss die Trefferquote, nicht das Bauchgefühl.
Wie oft war die von der KI vorgeschlagene Aufgabe tatsächlich richtig und vollständig? Erst wenn diese Zahl stimmt, lohnt sich der nächste Schritt: der KI mehr Handlungsspielraum zu geben. Der Denkanstoß, den ich dir mitgeben will: Die spannende Frage ist nicht, ob deine KI schon ein vollständiger Agent ist. Die spannende Frage ist, ob du überhaupt schon einen Prozess hast, der strukturiert genug ist, damit ein Agent ihn irgendwann übernehmen könnte. Wenn die Antwort nein ist, fang genau da an, nicht bei der Technologie.
Fazit
Agentic AI ist 2026 kein Buzzword, das wieder verschwindet, sondern die logische Fortsetzung von dem, was ich dir im letzten Beitrag gezeigt habe. Der Unterschied ist der Grad an Selbstständigkeit, den du der KI zutraust, und den du ihr auf Basis von echten Ergebnissen zutrauen solltest, nicht auf Basis von Versprechen. Bei uns ist der nächste Schritt schon in Arbeit. Bei dir kann er das auch sein, wenn du klein anfängst, sauber misst und Schritt für Schritt mehr Verantwortung abgibst.
Und falls du wissen willst, wo bei euch der beste Startpunkt läge: meld dich einfach! Genau darüber sprechen wir gerne. Fang bei hohem Volumen und niedrigem Risiko an.
Routineanfragen wie Beitragsrechnungen oder EVB-Nummern sind ideal: viel Wiederholung, wenig Fehlerpotenzial, und wenn doch mal was schiefgeht, ist der Schaden klein. Lass die KI erst Aufgaben erstellen, bevor sie Aktionen ausführt. Genau das machen wir aktuell auch. Ein Mensch gibt frei, bis das Vertrauen in die Trefferquote groß genug ist. Das ist keine halbe Lösung, das ist die richtige Reihenfolge.
Titelbild: © Johann Gräbner